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Dienstag, 29.4.2008

Edward Lorenz und die Chaostheorie

Edward Lorenz, Vater der Chaostheorie starb am 15. April 2008 im Alter von 90 Jahren in Cambridge, Massachusetts. Lorenz hatte ursprünglich Mathematik studiert und war im Zweiten Weltkrieg für die Wetterprognosen bei der US Army zuständig. Anschliessend entschied er sich zu einem Meteorologiestudium am Massachusetts Institute of Technology, wo er später als Professor tätig war.

Schmetterlinge und Tornados
1961 entwickelte er ein sehr einfaches Modell zur Wettervorhersage, das nur wenige Variablen wie Windstärke, Temperatur oder Wärmefluss berücksichtigte. Nach einigen Tests mit dem Computer musste er jedoch feststellen, dass durch die kleinste Änderung von nur einer der Variablen ein komplett anderes Wetterszenario vorausgesagt wurde. «Der Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonas-Urwald kann einen Tornado in Texas auslösen» notierte er kurz darauf. Diese Feststellung ist heute als «Schmetterlingseffekt» bekannt. Kleine Veränderungen können grosse Wirkungen haben - die Grundlage der Chaostheorie war geschaffen.

Das geordnete Chaos
Die «Chaosforschung», wie die Chaostheorie heute von den Wissenschaftlern bezeichnet wird, erlebte ihren grossen Aufschwung in den 80er-Jahren. Sie versucht, Vorgänge erfassen, in denen kleine Änderungen der Anfangssituation zu grossen Auswirkungen führen - Systeme, die einerseits von physikalischen und mathematischen Gesetzen abhängen und andererseits aber sehr unregelmässig erscheinen. Beispiele dafür sind das Wetter, Börsenkurse oder Verkehrsstaus - alles Dinge, deren Zukunft man nur zu gerne voraussagen würde. Das plötzliche Chaos in den sonst so determinierten Wissenschaften liess nicht nur Forscher, sondern auch viele Laien aufhorchen. Psychedelische Fraktaldarstellungen in schrillen Farben wurden zu esoterischer Kunst, Denker philosophierten über den Niedergang des naturwissenschaftlichen Determinismus. Nachdem aber bahnbrechende Erkenntnisse ausblieben (auch heute noch sind die Wettervorhersagen nicht so zuverlässig, wie man es gerne hätte), ist die anfängliche Euphorie etwas abgeklungen.

Dennoch: Die Chaostheorie hat aufgezeigt, dass es Vorgänge oder Systeme gibt, die sich nur für einen bestimmten Zeitraum vorausberechnen lassen, obwohl sie eigentlich im Sinne der klassischen Physik voraussagbar, also nicht zufällig sind. So wird heute mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Chaostheorie auch berechnet, wie sich Epidemien global ausbreiten, wie man Instrumente optimal stimmen kann welches Risiko bei der Operation von Lebertumoren besteht.

Thomas Hägler

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DRS 4 aktuell vom Donnerstag, 17.4.2008, 16.04 Uhr, DRS 4 News

Wettervorhersagen mit dem Schmetterlingseffekt

Edward Lorenz, der Begründer der Chaostheorie, des Schmetterlingseffekst, ist gestorben. Seine Ideen und Erkenntnisse prägen bis heute die Arbeit der Meteorologen.  Mehr

Hören (4:36)


Rendez-vous vom Donnerstag, 17.4.2008, 12.30 Uhr

Begründer der Chaos-Theorie gestorben

Der Vater des so genannten Schmetterlingseffekts ist tot. Im Alter von 90 Jahren starb Edward Lorenz, US-Meteorologe, der die Chaostheorie begründete.


    • Mehr
  • Hören (2:31)

Weiterführende Links zum Beitrag:

  • MIT: Edward N. Lorenz
  • Chaotische Prozesse zum selber ausprobieren
  • Chaostheorie.de: Forum zur Chaosforschung
  • Fachhochschule München: Einführung in die Chaosforschung (Skript)

Schnellsuche:
Das Doppelpendel
Zwei Beispiele:

Das Doppelpendel ist beliebtes Demonstrationsobjekt für einen chaotischen, unvorhersehbaren Bewegungsablauf. Mit Computersimulationen (siehe oben) lassen sich jedoch bestimmte Klassen von Systemverhalten identifizieren, zum Beispiel die maximal mögliche Anzahl von Überschlägen in Abhängigkeit der anfänglichen Energie und Reibung.

Fraktale sind natürliche oder künstliche Gebilde, die einen hohen Grad an Selbstähnlichkeit aufweisen. Ein Beispiel dafür ist der Blumenkohl «Romanesco» (siehe Titelbild). Fraktale haben oft einen komplizierten, scheinbar irregulären und deshalb chaotischen Charakter (wie zum Beispiel die «seltsamen Attraktoren»). Eines der bekanntesten Fraktale ist das «Apfelmännchen».

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