«Die Strassen sind zu Todesfallen geworden für jeden, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist», sagt eine Frau, die im Frühjahr 2007 in der Echo-Serie «Tagebuch aus Bagdad» aus der irakischen Hauptstadt berichtete. Die etwa 50-jährige Frau ist Akademikerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Mehr wollte und konnte sie nicht von sich preisgeben, es wäre zu gefährlich gewesen. Es liest Regula Siegfried.
Bis zu hundert Personen werden in Bagdad täglich umgebracht, von Terroristen, von Todesschwadronen, von Mördern in Milizuniform. Ausländische Zeugen der grausamen Realität werden immer seltener, und die Einwohner Bagdads sind stumm vor Angst.
Bagdad früher und heute ist nicht mehr dieselbe Stadt, sie hat ihr Gedächtnis verloren. Der tägliche Wahnsinn bestimmt das Leben in der vom Krieg zerstörten irakischen Hauptstadt. Die Stadt ist zum Feind geworden. Die Tagebuch-Schreiberin schildert, wie sehr sich Bagdad in den letzten Jahren verändert hat.
Jeden Tag sterben in Bagdad Menschen durch Terror und Gewalt und ein Ende ist nicht abzusehen. «Der Moment, an dem man an Flucht und Exil denkt, kommt für jeden von uns», sagt die rund 50-jährige Irakerin. Doch was braucht es, damit man seine Heimat verlässt?
Unter der alltäglichen Gewalt in Bagdad leiden die Frauen ganz speziell. Dabei hatten sie in der Zeit vor Saddam Hussein vergleichsweise viel erreicht in Sachen Emanzipation.
Die westliche Propaganda vor der Invasion 2003 machte den Frauen in Irak Hoffnung, dass ihr Alltag ohne Saddam freier werde. Doch die Realität sieht anders aus.
Jeden Tag sterben Dutzende Menschen bei Terror-Anschlägen in Bagdad. Die Todesschwadronen und Terroristen verüben ihre Taten meist im Namen des Islam, sie missbrauchen die Religion für ihre mörderischen Absichten.
In einer der schlimmsten Phasen des irakischen Krieges, 2007 sendeten wir im «Echo der Zeit» das «Tagebuch aus Bagdad». Darin schilderte eine Einwohnerin der irakischen Hauptstadt den schwierigen Alltag in Bagdad. Sieben Blätter dieses «Tagebuchs» veröffentlichten wir, aus Sicherheitsgründen anonym. Jetzt soll sich die Lage im Irak gebessert haben. Stimmt das? Nahostkorrespondentin Iren Meier hat die Autorin, eine Akademikerin Mitte fünfzig, Mutter von erwachsenen Kindern, in Baghdad besucht.
Journalistische Arbeit ist im Irak lebensgefährlich oder unmöglich geworden. Irakische Stimmen verstummen, sich zu äussern kann das Todesurteil bedeuten.
In der Serie «Tagebuch aus Bagdad» der Sendung «Echo der Zeit» aus dem Frühjahr 2007 durchbricht eine Irakerin das Schweigen und vermittelt konkrete Bilder vom Leben in einer verwüsteten Stadt.