(Keystone)
Die Juden: vertrieben und zurück gekehrt
Das Jahr 70 nach unserer Zeitrechnung ist das Schicksalsjahr in der jüdischen Geschichte: Die Römer zerstörten den Jerusalemer Tempel - das jüdische Zentralheiligtum. Damit endete jeglicher Opferkult im Judentum. Ausserdem begann mit dem Jahr 70 auch das von den Römern befohlene Exil der Juden und damit ihre Zerstreuung (Diaspora) über den Erdball.
Allerdings lebten damals wohl bereits die Hälfte aller Juden ausserhalb des Heiligen Landes. Und nicht alle Juden verliessen das Land: Einige jüdische Gemeinden und Familien blieben trotz des Verbots auch nach dem Jahr 70 im Gebiet des heutigen Israel wohnhaft. Der «Jischuv», also die im Lande verbliebenen jüdischen Gemeinden, überlebten so Römer, Christen, Osmanen und Engländer.
Und auch vor Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den fast zweitausend Jahren des Exils auch immer wieder kleinere Rückwanderungswellen. So etwa 1492, als die spanischen (sephardischen) Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben wurden. Weiter gab es auch immer wieder so genannte «messianische Wellen» im Diasporajudentum, die einige Gruppen glauben liessen, der Messias stehe vor der Türe und man könne ihm gleichsam entgegen kommen, wenn man ins Land zurückkehrte. Und schliesslich kamen auch immer wieder Einzelpersonen ins Land, um hier zu sterben und begraben zu werden, denn hier würde man dereinst dem Messias am nächsten sein, wenn er käme.
Die ersten zionistischen Einwanderer kamen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ins Land. Den Anfang machten vor allem russische Juden, die vor den Pogromen ihres Zaren hierher flüchteten. Am 1. Zionistenkongress in Basel von 1897 gab sich die zionistische Bewegung ihr Programm, nach dem von nun an auf die Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina hinzuarbeiten sei: «In Basel habe ich den Judenstaat gegründet», notierte Theodor Herzl damals. Er selbst starb bereits 1904, erlebte die reale Staatsgründung 1948 also nicht mehr. Dennoch war er sich aber sicher, den Grundstein für den Judenstaat gelegt zu haben.
