Chihiros Reise ins Zauberland (Hayao Miyazaki, 2001).
Manga und Anime: einige Fakten
Manga heisst übersetzt etwa «spontanes Bild», kann aber auch für «übertriebenes Bild» stehen. In Japan wird der Begriff Manga gleichberechtigt mit Comic für alle Arten von Comics verwendet, unabhängig von ihrer Herkunft. Manchmal werden auch Karikaturen und Zeichentrickfilme als Mangas bezeichnet, wobei letztere jedoch meist als «Animes» bekannt sind.
Animierte Mangas heissen «Anime» (von Englisch «animation» oder Französisch «dessin animé»). Der Begriff wird in Japan für alle Zeichentrickfilme, unabhängig von ihrer Herkunft, verwendet.
Manga- und Anime-Charaktere haben besondere visuelle Merkmale, die sie von westlichen Trickfilmen abgrenzen: meist sehr grosse Augen, da durch diese Gefühle und Persönlichkeit vermittelt werden, und sehr kleine, nur angedeutete Nasen. Gefühle werden oft durch eine starke Deformation von Mund oder Augen oder durch eine spezielle Symbolik ausgedrückt. So haben männliche Charaktere oft Nasenbluten, wenn sie sexuell erregt sind oder produzieren massenhaft Schweisstropfen bei Schamgefühlen.
Häufig wird den Manga- und Anime-Figuren wegen der grossen Augen und bunten Haaren ein typisch westliches Aussehen unterstellt. Nach japanischem Verständnis sind sie jedoch neutral und ohne Zuordnung zu einer bestimmten Rasse oder Region. Bereits im 19. Jahrhundert verliehen japanische Künstler ihren Figuren europäisches Aussehen, obwohl diese Japaner darstellten.
Mangas werden auch im Westen entsprechend der traditionellen japanischen Leserichtung von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen.
Der erste farbige Zeichentrickfilm Japans heisst «Hakujaden» und stammt aus dem Jahr 1958. Er gilt heute als erster «Anime» im modernen Sinne.
Seit etwa 2004 gibt es immer mehr Mangas, die speziell für Handys angeboten werden.
Die in Japan bekannteste und am weitesten verbreitete Manga-Figur ist die 1969 entstandene blaue Roboterkatze «Doraemon». Doraemon wurde im Jahr 2008 von der japanischen Regierung zum ersten offiziellen Anime-Botschafter gewählt.
Manga-Zeichnungen finden in Japan auch jenseits des reinen Geschichtenerzählens breite Anwendung. Zum Beispiel in Kochbüchern, Bedienungsanleitungen oder bei Hinweistafeln.
Die zwei erfolgreichsten Kinofilme in Japan sind Animes: «Sen to Chihiro no kamikakushi» (Chihiros Reise ins Zauberland, Einnahmen: über 300 Millionen Franken) und «Mononoke Hime» (Prinzessin Mononoke, Einnahmen: über 150 Millionen Franken). Beide stammen vom Autor und Regisseur Hayao Miyazaki und dessen «Studio Ghibli».
Die Anime- und Manga-Industrie Japans macht jährlich über 100 Milliarden Franken Umsatz.
Mangas sind eine der Hauptsäulen des japanischen Verlagswesens. Im Jahr 2002 machten sie 38.1 Prozent aller Druckerzeugnisse in Japan aus. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil von Comics nur bei 3 Prozent aller Druckerzeugnisse.
Jeder Japaner kauft pro Jahr 15 Mangas (Deutschland: 0,25 Comics pro Kopf und Jahr).
Die erfolgreichsten Mangas in Japan sind «Kochira Katsushika-ku Kameari-kōen Mae Hashutsujo» (Polizeigeschichten aus einer Station in der Nähe des Tokioter Kameari-Parks, Bild links) mit 135 Millionen und «Dragonball» mit 126 Millionen verkauften Exemplaren.
Der teuerste Anime heisst «Steamboy» und stammt aus dem Jahr 2004. Er kostete ungefähr 25 Millionen Franken und beinhaltet über 180'000 Zeichnungen.