Der Autor Peter Bichsel im Restaurant Kreuz in Solothurn, Februar 2010. (Keystone)
DRS 2-Hörer erzählen ihre Bichsel-Erlebnisse
Bis zum Hörpunkt am 2. März wird diese Seite laufend ergänzt.
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Busfahren mit Bichsel Ich wohnte eine Zeit lang mit meinen Eltern in der Nähe von Herrn Bichsels Dorf (Bellach). Wir nahmen ab und zu am Samstag den gleichen Bus und sassen uns ganz zufällig gegenüber. Viel gesprochen haben wir dabei nicht, aber der Moment zählte für mich. Ich weiss nicht, wie es für Peter Bichsel war - für mich war es schön, ihm auf Augenhöhe begegnen zu können. Das war für mich nicht selbverständlich, denn ich bewunderte Peter Bichsel: Für mich war er jemand auf einem anderen Niveau. Aber da sassen wir im Bus. Wir schauten uns an und brauchten uns nicht viel zu sagen. Pascal Marchon |
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Eine persönliche Notiz Sei's als Dankeschön, als kleine Aufmerksamkeit oder zu einer Geburt: Bichsels - signierte - «Kindergeschichten» sind ein wunderbares Geschenk. Wie immer mit der Bitte um eine Widmung und Unterschrift sandte ich ihm einmal ein solches Buch. Da er ein Postfach hat, legte ich ihm eine frankierte Rückadresse ein, so dass er meinen Wunsch gleich an Ort und Stelle erfüllen konnte. Das schrieb er mir als Begleittext: «Schön, wieder mal von dir zu hören - bin auf der Post und in Eile, weil der Besitzer des Stifts, den ich ausleihen musste, neben mit steht und wartet. Machs gut Peter.» Köstlich: ein Schriftsteller, der kein Schreibwerkzeug bei sich hat... Ein anderes Mal, als ich jammerte, dass die «Kindergeschichten» nur noch als Taschenbuch erhältlich sind, legte er mir ein hübsch gebundenes Exemplar als Geschenk bei. Elisabeth Gujer |
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Im Hotel Chelsea In den 1970er-Jahren war es ein Muss, Peter Bichsel begegnen zu wollen. 1978/79 habe ich mit seiner Schwester Ursula zusammen gearbeitet. Da ich im Frühling 1979 Amerikapläne hatte, teilte mir Ursula zum Abschied mit, dass Peter auch drüben sei. Wo genau wisse sie jedoch nicht. Ich flog mit meinem Vater nach New York - er hatte das Geld, und ich die englischen Sprachkenntnisse. Wir stiegen im legendären Chelsea Hotel ab. Drei Wochen lang logierten wir dort: Manhattan pur - Kunst und Kultur, rund um die Uhr. Am letzten Tag vor unserer Weiterreise an die Westküste stiegen wir in den Lift und standen vor - unserem Landsmann Peter Bichsel. Er war die selben drei Wochen in diesem absolut speziellen und unvergesslichen Hotel. Es war eine kurze, aber sehr persönliche Begegnung. Verena U. Bosshard |
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Trauer um einen Bruder Ich kenne Bichsel, ich bin «duzis» und sage Peter zu ihm, aber unter meinen Freunden und Verwandten bleibt er «dr Bichsu». Ich lese seine Bücher, und das tun auch ein paar meiner Freunde. Wenn er zum Beispiel schreibt, dass das Christentum einem ein Recht gibt, ein anderer zu sein oder zu werden, denke ich darüber nach. Als mein Bruder starb, war er an der Beerdigung dabei, das hatte mich damals gerührt und getröstet. Später, als sein Buch «Zur Stadt Paris» herauskam, fand ich darin eine Geschichte, die mich sehr an meinen Bruder erinnerte. Sie fing etwa so an: «Ich kannte keinen, der so still vor sich hin trinken konnte, wie er.» Ich las diesen Satz mehrmals. Dass ich noch einmal um den geliebten Bruder trauern konnte, machte mir «Bichsu» möglich. Jeannette Cotting |
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Ein gutes Omen Peter Bichsel erlebe ich am Anrührendsten in seinen - leider - unveröffentlichten «transsibirischen Geschichten». Von ihm persönlich gelesen, bleiben sie unvergesslich, weil an Einmaligkeit und Herzblut kaum zu überbieten. Wenn Sie, Herr Bichsel, zu deren Schutz sie nicht drucken lassen wollen, kann ich das verstehen. Wie wäre es indessen, wenn Sie uns zu Ihrem 75. Geburtstag eine von Ihnen persönlich gelesene CD von diesen Geschichten schenkten? Ich bin einer von ihnen 1975 («Samovar und Caran d'ache») begegnet. Dass mir das zu Ihrem 75. Geburtstag einfällt, ist vielleicht ein gutes Omen? Kathrin Fischer |
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Nachwirkungen von Frau Blum Als einseitig in Deutsch begabten Mittelschüler hatten mich wohlwollende Lehrer/innen eben zwischen der Skylla Mathematik und der Charybdis Physik und am drohenden Rauswurf aus dem Gymnasium vorbei in Richtung Matura geleitet. Ich hielt mir also einiges auf meine Schreibe. Da entdeckte ich Peter Bichsels Bändchen mit Frau Blum, dem Milchmann und andern Geschichten. Nein: Ich entdeckte eine mir unbekannte Art, mit wenigen kurzen Sätzen etwas zu erzählen, das nachwirkt. Ich war begeistert - und entsetzt, dass mein Vater dazu nicht mehr zu sagen wusste, als: der Bichsel sei ein Kommunist. Dabei schätzte ich meinen Vater sehr. Billo Heinzpeter Studer |
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Gelächter in der Totenstille Jung war ich und wohnte in einem Block. Der Milchmann kam jeden Morgen. Wie aber 1964 «Eigentlich wollte Frau Blum den Milchmann kennen lernen», dieses Wunder, zu mir kam - das weiss ich nicht mehr. Es hat mich umgeworfen, wieder aufgerichtet, in die Höhe gehoben, schweben lassen. Es hat mir gezeigt, was Sprache ist, welches Erdbeben Sätze in mir verursachen können. Der Milchmann, die Frau Blum, beide waren ich: genau so unbedeutend, genau so voll Welt. Ich war baff! Wie das mit Begeisterungen ist: man liebt sofort denjenigen, der einem das Herz hüpfen machen. Ich liebte Peter Bichsel auf der Stelle. Später bin ich ihm oft begegnet. Er ist nicht der Mann, der zurückliebt. Er lächelte verlegen und mochte mich nicht. Ich lernte, den Künstler von seiner Kunst zu trennen. Peter Bichsel habe ich die allerschönsten Leseerlebnisse zu danken: mein Gelächter in der Todesstille halbleerer Waggons; die Tränen vor Lachen über den «toten Hund»; das Erkennen, was Dichtung ist. Ich danke ihm, dass es ihn gibt, dass er - wahrscheinlich gegen seine Faulheit - schreiben muss, und ich teilhaben kann an seiner Arbeit: der Kunst, eine Stück Welt vom Erdboden zu lösen und als klaren Stern in den Himmel zu versetzen. Sibylle Severus |
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Sich selbst entdeckt 2005 hat Peter Bichsel in Solothurn einen Preis erhalten. Auf der Bühne hat er das Couvert in seine Gilettasche gesteckt und dann ein paar Worte ans Publikum gerichtet. Am nächsten Morgen sah ich Peter Bichsel beim Kaffee in einer Solothurner Beiz. In der Zeitung sah er ein Bild der Preisverleihung vom Abend vorher. Auf dem Bild sah man, dass er ein Couvert einsteckt. Da griff er in seine Gilettasche und sprach: «Schau mal, da ist tatsächlich ein Couvert.» Ruedi Lehmann |
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Gelesen in einem Zuge Am 29. Mai 1988 sass ich im Speisewagen der SBB zwischen Zürich und Biel. Ich las in Bichsels Büchlein «Schulmeistereien». Plötzlich bemerkte ich, dass an einem andern Tisch, nicht weit weg von mir, Peter Bichsel sass und, wie ich, ein Glas Wein trank. Ich ging zu ihm hin und sagte: «Herr Bichsel, wenn ich nun schon ein Buch von ihnen lese, könnten Sie mir doch eine Widmung hineinschreiben.» Er blickte mich an und sagte: «Setz dich. Wie heissest du?» Dann nahm er mein Buch und schrieb auf die erste Seite: «Für Alfred Wyss. In einem Zuge zu lesen. Herzlich peter bichsel. 29 Mai 88.» Wir tauschten noch ein paar Gedanken aus, und als wir in Oensingen vorbeifuhren, wo gerade die Bechburg renoviert wurde, meinte er noch: «Was bauen sie da für ein neues Schloss.» Alfred Wyss |
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In weiser Vorahnung Ich lernte Peter Bichsel durch seine Frau Therese kennen. Wir arbeiteten in den Jahren 1956/57 zusammen im gleichen Büro in der Nähe von Solothurn. Bereits damals erklärte Therese oft und mit fester Überzeugung: «Mein Peter wird einmal ein berühmter Schriftsteller!» Eines Tages im Jahr 1957 brachte Therese mit Stolz einen Druck vorbei: «Das Ende der Stadt» von Peter Bichsel. Dieser Druck kostete damals fünf Franken und war wohl eines der ersten Werke von Peter (der Druck liegt seither in meinem Bücherregal!). Inzwischen sind 53 Jahre vergangen - und immer, wenn vom berühmten Schriftsteller Peter Bichsel die Rede ist, denke ich gerne an die Zeit zurück, als seine Frau Therese dies damals schon wusste. Susi Scheidegger |
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Was Schüler an Bichsel beeindruckt Nachdem eine Bellacher Schulklasse Peter Bichsels Buch «Der Erfinder» gelesen hatte, tauchten Fragen auf. Auf Anfrage nahm sich Bichsel Zeit für einen Schulbesuch und sprach mit den Schülern. Ihre Eindrücke des Besuchers: ─ Herr Bichsel wollte nie reich sein. Er wollte nie ein grosses Haus haben. Er ist, so, wie er ist, zufrieden. ─ Er wollte nie der Beste sein. Er will lieber der Zweitbeste sein. ─ Ich fand es toll, dass Herr Bichsel sagte: «Geld ist für mich nicht wichtig. Ich möchte nur immer 50 Franken dabei haben.» ─ Er wollte nie reich sein. Darum hat er nie Lotto gespielt, weil er überzeugt ist, dass er gewonnen hätte. ─ Als Knabe wollte er Bauer oder Modedesigner oder Missionar werden. Heute ist er gerne Schriftsteller. ─ Er sagte, er sei ein Glückspilz. Alles, was auf den ersten Blick negativ war, wurde für ihn positiv. ─ Er war kein guter Fussballer und sass immer nur auf der Ersatzbank. Deshalb ging er dann heim und schrieb Geschichten. ─ Schon als 12-Jähriger wusste er: «Ich bin ein Schriftsteller.» Bruno Stephani (Lehrer) |
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Im Kosthaus der Kantonsschule Meine Erinnerungen: Peter war ein Jahr älter als ich. Mein Vater war der Schularzt in Olten. Er kannte die Familie Bichsel. Gelegentlich sah man sich auf den Sonntagsspaziergängen. Mir ist immer der stille und scheue Peter in Erinnerung. Ich glaube er hatte noch eine Schwester. Später wohnte er wie ich im Kosthaus der Kantonsschule Solothurn Er las uns jeweils von seinen Gedichten und Prosa vor. Wir waren damals noch zu unreif, um ihn zu begreifen. Was da für ein Potential in ihm schlummerte! Wirklich erstaunlich. Ja ja: stille Wasser gründen tief ! Später sah ich ihn etwa auf einem Bahnhof. Ich liess ihn jeweils in Ruhe, um seine Gedankengänge nicht zu stören. Ein einfacher Landarzt hätte ihm ja auch nicht viel bieten können. Lasse ihn herzlich grüssen. E. Wyss |
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