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Fünf Schlüsselwerke von Peter Bichsel

Über seine Schriftstellertätigkeit sagte Peter Bichsel einst: «Ich habe weder das Bedürfnis, noch fühle ich mich verpflichtet, ein grosser und produktiver Schriftsteller zu sein oder zu werden.» Bichsel gilt als Wenigschreiber. Mit seinen Kolumnen und kurzen Geschichten hat er sich dennoch einen wichtigen Platz in der Schweizer Literatur erarbeitet.

 



«Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen»

Nach zwei von einem Solothurner Druckereibesitzer herausgebrachten Jugendwerken gelang Peter Bichsel 1964 mit «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» der literarische Durchbruch. Das Bändchen von lediglich 50 Seiten kam für Kritiker wie Leser damals unerwartet.

Die 21 darin enthaltenen Geschichten thematisieren den Kleinbürgeralltag: die Unzulänglichkeit des Zusammenlebens und die Unerfüllbarkeit der menschlichen Sehnsüchte. Statt liebenswürdiger Idyllen beschreibt Bichsel darin den Normalfall ganz ohne Pathos. Er wird dafür als «Meister der kleinen Form» gefeiert und in die Nachfolge Hebels und Robert Walsers gestellt. Längst haben die «Milchmann»-Geschichten in der neuen Schweizer Literatur Schule gemacht und gehören zum Kanon nicht nur an hiesigen Gymnasien.

 



«Kindergeschichten» (1969)

Mit seinen «Kindergeschichten» legte Bichsel nach zwei Romanen einen weiteren Kurzgeschichtenband vor. Sieben Geschichten handeln von sonderbaren Käuzen und scheiternden Rebellen: Da ist ein Mann, der weiss, aber nicht glaubt, dass die Erde rund ist. Da ist ein anderer, der allen Dingen neue Namen gibt, so dass er nicht mehr verstanden wird. Und einer erfindet lauter Sachen, die es bereits gibt. Bichsels Figuren scheinen gegen die Übereinkünfte der Gesellschaft zu rebellieren.

Anders als die Menschen in den «Milchmann»-Geschichten finden sie sich nicht ab mit der Unabänderlichkeit des Bestehenden, mit der Sicherheit, die die Gesellschaft in der Benennung der Dinge und im Wissen über sie an den Tag legt. Die Gesellschaft zahlt es ihnen heim mit fürchterlicher Isolation – Autor Bichsel jedoch solidarisiert sich mit ihrem Aufstand und mit ihrem Scheitern.

 



«Des Schweizers Schweiz» (1969)

Die im selben Jahr wie «Kindergeschichten» erschienen Aufsätze zur Schweiz sorgten für grosses Aufsehen und stärkten Bichsels Ruf als Beobachter des Zeitgeschehens. Zunächst geschmäht, wurde «Des Schweizers Schweiz» später vielerorts zum offiziellen Geschenk der Gemeinden an ihre Jungbürger.

Das Motto des streitbaren Intellektuellen Bichsel, der auch als solcher immer ein Poet bleibt, könnte der Schlusssatz des Titelessays sein: «Eine Demokratie ohne Diskussion wäre museal. Der innere Feind der Schweiz heisst pervertierter Bürgersinn. Die Igelstellung - eingerollt und die Stacheln nach aussen - ist zum Sinnbild unserer Unabhängigkeit geworden. Aber auch ein Igel muss sich zur Nahrungsaufnahme entrollen.» Im Verlauf der 1970er-Jahre wird Bichsels Auseinandersetzung mit seinem Land und seinen Landsleuten noch schärfer.

 



«Zur Stadt Paris» (1993)

Mit dem Geschichtenband «Zur Stadt Paris» präsentierte Bichsel erstmals seit Mitte der 1980er-Jahren wieder erzählende Prosa: Es sind Geschichten von sehr unterschiedlicher Länge - einer der kürzesten Texte ist dem Band als Motto vorangestellt: «In Langnau im Emmental gab es ein Warenhaus. Das hiess «Zur Stadt Paris». Ob das eine Geschichte ist?»

In den rund 50 Geschichten skizziert Bichsel Alltagsbeobachtungen auf knappem Raum: im Gespräch Aufgeschnapptes, Dialoge und Monologe – scheinbar banale Situationen, in denen sich jedoch Abgründe auftun können. Eine gewisse Verwandtschaft mit Bichsels erstem Erzählband ist zu erkennen, doch sind die jüngeren Texte oft noch lakonischer und zugespitzter als die «Milchmann»-Geschichten. Und häufiger als in den älteren Texten reflektiert Bichsel hier die Sprache und die Kunst des Erzählens selbst.

 



«Kolumnen, Kolumnen» (2005)

Kolumnen zu schreiben, das hat Bichsel wiederholt betont, falle ihm zwar nicht leicht, sie seien ihm aber sehr wichtig. In seinen Kolumnen, die unter anderem in der «Weltwoche», dem «Tages-Anzeiger» oder der «Schweizer Illustrierte» erschienen sind und weiterhin erscheinen, beschreibt er immer wieder Situationen, wie sie auch in seinen Geschichten vorkommen: Die Grenze zwischen Bichsels literarischen Texten und jenen, die primär für Zeitungen und Zeitschriften gedacht sind, ist bewusst durchlässig.

Seit den 1970er-Jahren bis heute sind so weit über 300 Kolumnen zusammengekommen: Geschichten aus dem Alltag und über den Alltag, Momentaufnahmen, Begegnungen, unbotmässige Einmischungen, Zwischenrufe, Erinnerungen, Liebeserklärungen. Zum 70. Geburtstag seines Autors legte der Suhrkamp Verlag 2005 alle Kolumnen in einem Band vor.


Peter Bichsels Bücher sind beim Suhrkamp-Verlag erhältlich.

(Munzinger Archiv, gec)

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Zum 75. Geburtstag des Schriftstellers Peter Bichsel am 24. März widmet sich DRS 2 dem vielfältigen Universum des vielleicht bekanntesten unter den lebenden Autoren aus der Schweiz - am Hörpunkt-Tag am 2. März.   Mehr

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