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Montag, 5.4.2010

Cannabis erste Droge im Strassenverkehr

Noch vor Alkohol ist Cannabis die häufigste Droge im Schweizer Strassenverkehr. Immer mehr Verkehrsteilnehmer putschen sich zudem mit Kokain auf.

Ein Problem im Schweizer Strassenverkehr: Cannabis. (Reuters)

Auf den 1. Januar 2005 hat die Schweiz im Strassenverkehr nicht nur die 0,5 Promille-Grenze für Alkohol eingeführt. Auch für eine Reihe von illegalen Drogen gilt seit diesem Zeitpunkt eine Nulltoleranz auf der Strasse. Die Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin hat nun für das Bundesamt für Gesundheit die ersten Übertretungsfälle untersucht.

4800 Tests vorgenommen
Maria-Cristina Senna vom Universitätsspital Lausanne analysierte dazu gegen 4800 Drogenverdachtsfälle des Jahres 2005, die in einem der acht schweizweiten, vom Bund anerkannten Laboratorien abgeklärt wurden. Fälle, in denen die Polizei einzig auf Alkohol testete, wurden nicht berücksichtigt.

Wie Senna und ihre Kollegen im Fachmagazin «Forensic Science International» berichten, gab es 4243  Verdachtsfälle bei Männern und 543 bei Frauen. Das Durchschnittsalter der Auto-, Lastwagen-, Töff-, Töffli- und Velofahrer betrug 31 Jahre. 35 Prozent der Tests veranlasste die Polizei nach Verkehrsunfällen.

Kokain immer verbreiteter
In 89 Prozent der Fälle fanden sich eine oder mehrere psychoaktive Substanzen im Blut. Die häufigste war Cannabis (48 Prozent) vor Alkohol (35 %), Kokain (25 %), Opiaten (10 %), Amphetaminen wie Speed, Crank oder Crystal (7 %), den als Beruhigungs- und Schlafmitteln benutzten Benzodiazepinen (6 %) und Methadon (5 %).

Ein ähnliches Bild ergab eine frühere, aber viel weniger umfassende Studie aus den Jahren 2002 und 2003. Einzige Ausnahme: Die Häufigkeit von Kokain verdoppelte sich nahezu.

Drogen-Cocktails
Viele Verkehrsteilnehmer hatten gleich mehrere Drogen aufs Mal intus. Nur 23 Prozent der Kokain-Konsumenten nahmen die Droge allein ein. Bei 17 Prozent fand sich auch Alkohol, bei 16 Prozent auch Cannabis, bei 9 Prozent auch Opiate. 7 Prozent konsumierten zudem Cannabis und Alkohol, 4 Prozent auch Methadon und Opiate.

Zudem massen die Labors beachtliche Drogenkonzentrationen im Blut, besonders bei Alkohol, Cannabis und Kokain. Das lässt den Schluss zu, dass die Verkehrssünder die Drogen kurz vor dem Losfahren - oder sogar am Steuer - einnahmen.

Drogensünder in Mehrzahl Männer
89 Prozent der Drogensünder am Steuer waren Männer. Ihr Durchschnittsalter betrug 30 Jahre, jenes der Frauen 37 Jahre. Die am häufigsten erwischte Altergruppe war jene zwischen 20 und 29 Jahren. Wie erwartet fuhren die Jungen eher unter Drogeneinfluss, während ältere Personen häufiger positiv auf Medikamente getestet wurden.

Das Fahren unter Medikamenten-Einfluss ist zwar nicht per se verboten. Arzneimittel waren aber bei rund acht Prozent der Verdachtsfälle auf Fahruntauglichkeit mit im Spiel. Auch die Medikamente wurden oft nicht alleine, sondern in Kombination mit Alkohol, Cannabis oder Opiaten eingenommen.

Laut Senna werden momentan neuere Daten für die Jahre 2006 und 2007 zusammengetragen. Für Aussagen über die Entwicklung sei es noch zu früh. Die Gesetzesänderung 2005 habe aber die Zahl der Fälle stark erhöht; die Polizeibeamten seien nun sensibilisiert auf das Problem. (haem, dpa)

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