(Keystone)
Chimären-Embryos: Mehr Mensch als Tier
Nach heftigen Kontroversen im Unterhaus dürfen nun in Grossbritannien Misch-Embryonen aus menschlichen und tierischen Eizellen für die Forschung geschaffen werden. Das Unterhaus stimmte am 19. Mai 2008 mit 336 zu 176 Stimmen gegen einen Antrag, generell die Produktion von «Chimären», wie solche Mischwesen auch genannt werden, zu verbieten.
Mit Hilfe von Mensch-Tier-Embryos wollen die Forscher embryonale Stammzellen gewinnen. Die Verwendung tierischer Eizellen soll dabei den Mangel an menschlichen weiblichen Eizellen, die strengen Gesetzesvorschriften unterliegen, ausgleichen. Tierische Eizellen stehen unbegrenzt zur Verfügung.
Britischen Forschern am Institut für Humangenetik der Universität Newcastle war es Anfang April erstmals gelungen, Chimären-Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen zu erzeugen. Institutsleiter John Burn versicherte, die Embryos seien nicht zur menschlichen Fortpflanzung gedacht. «Das wird nie mehr als eine Anhäufung von Zellen sein», betonte er im Gespräch mit der BBC. Es gehe darum, Krankheitsprozesse besser zu verstehen.
Chimären-Stammzellen entstehen durch die Injektion des Kerns einer menschlichen Körperzelle in eine leere Eizelle einer Kuh. Mit Hilfe von Stromstössen wird das tierische Ei zur Teilung angeregt und entwickelt sich zu einem frühen Embryo, aus dem dann die begehrten embryonalen Stammzellen entnommen werden. Chimären-Stammzellen bestehen zu 99,9 Prozent aus menschlichem und zu 0,1 Prozent aus tierischem Erbgut.
Thomas Hägler
