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Letztes Update: Mittwoch, 19.8.2009

Hugo Loetscher ist tot

Der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher ist nach einer schweren Operation in Zürich gestorben. Im Dezember wäre er 80 geworden.

Hugo Loetscher, einer der ganz grossen Schweizer Autoren. (Archivbild von 2001) (Keystone)

Nur wenige Tage vor Erscheinen seines neusten Buchs ist der Schweizer Autor und Publizist Hugo Loetscher gestorben, wie der Diogenes-Verlag mitteilt. Er starb am Dienstag nach einer schweren Operation.

Einer der Grossen
Hugo Loetscher gehört zur Generation der Schweizer Schriftsteller nach Frisch und Dürrenmatt. Loetschers Werk zählt heute zu den bedeutendsten in der deutschsprachigen Schweiz. «Der Immune», «Der Waschküchenschlüssel», «Lesen statt klettern» oder «Der Buckel» gelten als seine wichtigsten Arbeiten.

Am 21. August 2009 erscheint sein neues Buch «War meine Zeit meine Zeit». Es ist eine intellektuelle Bilanz, in der Loetscher die Themen seines Lebens und seines Werks zu einer weltumspannenden Autogeographie entfaltet.

Kritischer Blick in Nähe und Ferne
Seine Rezeption des Fremden und der Blick auf die eigene Heimat, sein Einstehen für die Unabhängigkeit von ideologischen Verflechtungen sowie sein politisches Engagement als Schriftsteller und als Journalist sei aus der Szene der deutschsprachigen Schweizer Literatur nicht mehr wegzudenken, schreibt das Schweizerische Literaturarchiv, das einen Teil des Nachlasses von Loetscher bereits zu dessen Lebzeiten erworben hat.

Für sein Schaffen wurde Loetscher vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1992 den grossen Schiller-Preis als einer der jüngsten Preisträger. 1994 wurde er mit dem Kreuz des Südens ausgezeichnet, einem Orden für Verdienste um die brasilianische Kultur. (nab)

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Audio-Beiträge:


Kulturredaktorin Romana Costa zum Tod von Hugo Loetscher. (18.8.2009)
Hören (1:38)

«Die Schweiz verliert einen liebenswerten und klugen Geist.» (Philippe Chappuis im Gespräch mit Literaturredaktor Hardy Ruoss, 19.8.2009)
Hören (3:47)

Hugo Loetscher zur aktuellen Wirtschaftskrise in der «Samstagsrundschau». (Dieter Kohler, 23.5.2009)
Hören (30:09)

Hugo Loetscher über sein jüngstes Werk «Die Augen des Mandarin» und über sein Leben in der Talksendung «Focus». (Ernst Buchmüller, 25.12.1999)
Hören (59:20)

Verantwortlich für diesen Beitrag:

news.online


Mehr zu den Stichwörtern:

  • Hugo Loetscher
  • Schweizer Literatur

«Einen zweiten Hugo haben wir nicht»

Hugo Loetscher war einzigartig und eigen zugleich. Sein Tod ist für die Schweiz und für die Literatur ein grosser Verlust. Darin sind sich Freunde und Literaturkritiker einig.  Mehr

Biographie: Hugo Loetscher

Hugo Loetscher wurde am 22. Dezember 1929 in Zürich als Sohn eines Mechanikers geboren. Seine proletarische Herkunft hielt er immer hoch.

Start als Journalist
Nach der Promotion zum Dr. phil. arbeitete er als Literaturkritiker und Redaktor für die «Neue Zürcher Zeitung», die «Weltwoche» und das Magazin «du».

Freier Schriftsteller
Loetscher debütierte 1963 mit «Abwässer. Ein Gutachten». Es folgten die Romane «Die Kranzflechterin» (1964) und «Noah» (1967). Ab 1969 arbeitete Loetscher als freier Schriftsteller. Danach veröffentlichte er «Der Immune» (1975) und «Die Papiere des Immunen» (1986) und eine Vielzahl von Romanen, Essays, Gedichten und Reisereportagen.

Reisen zentral
Die Werke Loetschers basieren häufig auf seinen Reiseerfahrungen und anderen autobiografischen Elementen. «Die Augen des Mandarin» war vor zehn Jahren einer seiner grössten Kritikererfolge, für den er auch eine Ehrengabe des Kantons Zürich bekam.

Zwischen E und U
Loetschers grosse Stärke war die Ironie: Seine Werke lesen sich leicht, aber nie oberflächlich. Er mokiert sich, parodiert, übertreibt und spielt mit Ambivalenzen und Paradoxien. Loetscher, so Kritiker Andreas Isenschmid, sei ein «unverfälschtes Produkt des Zürcher Spätdadaismus».

Vielfach ausgezeichnet
Hugo Loetscher wurde häufig ausgezeichnet, so unter anderem 1992 mit dem Grossen Schillerpreis, 1996 mit dem Literaturpreis Lipp und 1994 mit dem «Kreuz des Südens - Orden für Verdienste um die brasilianische Kultur».

Erfolgreich in der Romandie
Die Liebe zum frankophonen Raum ist gegenseitig. In nur acht Jahren (1989-1997) wurden Loetschers Werke nahezu vollständig ins Französische übersetzt. Die erste Auflage von «Le Déserteur engagé» (Der Immune) war innerhalb einiger Monate vergriffen. Und «Si Dieu était Suisse» - die Dramatisierung seiner bekannten Essaysammlung «Der Waschküchenschlüssel» - war in der Westschweiz ein Theaterhit. (nab, sda/ap)

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