«Einen zweiten Hugo haben wir nicht»
Hugo Loetscher. (Archivbild von 2001) (Keystone)
Grosse Trauer und Bedauern dominieren die Kommentare nach dem Tod von Hugo Loetscher. Er verstarb 79-jährig nach einer schweren Operation.
Widmer: Mit Hugo lachen, essen und trinken
Für den Schriftsteller Urs Widmer hinterlässt Loetscher eine grosse Lücke:«Einen zweiten Hugo haben wir nicht», erklärt er gegenüber Schweizer Radio DRS. Er sei ein weltläufiger, urbaner Intelektueller gewesen und damit einer der «schweizerischsten» Autoren, die die Schweiz hatte, sagt Widmer.
Er habe die Tradition von Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch weitergeführt und habe von diesen auch das «Klartextschreiben helvetische Dinge betreffend» gelernt.
Mit Hugo habe man gut lachen, gut essen und trinken können. «Wo Hugo war, war das Gelächter», sagt Widmer. Es sei immer wunderbar gewesen mit ihm zusammen zu sein.
Leuenberger: Loetscher war auch Poet
Der Tod Loetschers sei ein ganz grosser Verlust für die Schweiz, sagt auch Bundesrat Moritz Leuenberger, der mit Loetscher freundschaftlich verbunden war. «Man hat immer wieder gesagt, er ist Journalist oder Schriftsteller oder Politiker. Es ist aber völlig falsch, ihn zu katalogisieren. Er ist alles zusammen gewesen», sagt Leuenberger gegenüber dem Schweizer Fernsehen.
Das sei das Tolle und Faszinierende: Einerseits sei er Schriftsteller und Poet gewesen, auf der anderen Seite habe er sich immer wieder mit aktuellen politischen Problemen auseinandergesetzt, und das mit Witz und Humor.
De Weck: Sich selber nicht ernst genommen
Der Publizist Roger de Weck sah in der persönlichen Begegnung mit Hugo Loetscher «zunächst einfach ein Lachen und ein Vergnügen». Loetscher habe sich selber nicht ernst genommen, auch wenn seine Bücher «sehr sehr ernst» seien, sagt de Weck gegenüber Schweizer Radio DRS. Er habe immer alles relativieren können.
Für de Weck war die die Begegnung verschiedenster Kulturen wichtig in Loetschers Büchern. Loetscher habe sich und die anderen immer wieder verführt anders zu denken. Er habe einen ironischen und doch ernsthaften Blick auf Zürich und die Schweiz geworfen. Und damit auch hochpolitische Stellungnahmen ohne moralischen Anspruch abgegeben.
Dewulf: Verlust für die deutsche Literatur
Auch internationale Kritiker würdigten das Werk Loetschers. So etwa der belgische Germanist Jeroen Dewulf von der Universität Berkeley in Kalifornien. Loetscher habe vorausgesehen wie sich diese Welt globalisieren werde, sagt Dewulf gegenüber Schweizer Radio DRS.
Er habe das globale Weltempfinden sehr früh thematisiert und auch das eigene Land von Aussen betrachtet. Der Tod Loetschers sei nicht nur ein Verlust für die Schweizer Literatur, sondern für die deutsche Literatur überhaupt.
Pfrunder: Verdienste um die Fotografie
Loetscher war nicht nur Schriftsteller, sondern hat sich jahrzehntelang auch mit Fotografie befasst. So hat er etwa die Veröffentlichung und die Ausstellung von Fotoarbeiten gefördert.
Peter Pfrunder, Direktor der Fotostiftung Schweiz, findet, in der Fotografie sei Loetschers Bestreben der Gleichzeitigkeit besonders schön zum Ausdruck gekommen. Fotografie und Literatur hätten sich für Loetscher gegenseitig ergänzt, sagt Pfrunder gegenüber Schweizer Radio DRS.
Er habe durch seine Arbeit auch das Schaffen - vor allem jüngerer Fotografen - beeinflusst. Selber habe sich Loetscher aufs Schreiben konzentrieren wollen. (luek, ap)
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