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Sonntag, 23.5.2010

Die goldene Palme geht nach Thailand

Der thailändische Film «Uncle Boonmee» («Lung Boonmee Raluek Chat») ist bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Mit dieser Wahl hat Jury-Präsident Tim Burton wie versprochen für eine Überraschung gesorgt.

Gewinner von Cannes: Juliette Binoche (beste Darstellerin), Mahamat-Saleh Haroun (Preis der Jury), Mathieu Amalric (beste Regie), Javier Bardem (bester Darsteller) Apichatpong Weerasethakul (Goldene Palme), Lee Chang-dong (bestes Drehbuch). (Reuters)

Die Preisträger von Cannes 2010

Die wichtigsten Preise des 63. Filmfestivals von Cannes.  Mehr

Kaum ein anderer Film hatte bei dem Festival in Cannes derart polarisiert wie «Uncle Boonmee». Dennoch setzte er sich im Wettbewerb gegen 18 weitere Filme durch, darunter Arbeiten der britischen Filmemacher Mike Leigh und Ken Loach sowie drei Filme aus dem Gastgeberland Frankreich.

Dank an die Geister
Der Regisseur von «Uncle Boonmee», Apichatpong Weerasethakul, sagte bei der Preisverleihung am Sonntagabend an der Côte d'Azur, die Ehrung komme ihm fast «unwirklich» vor. Die Goldene Palme zu gewinnen sei für ihn «wie eine Geschichte aus einer anderen Welt».

Apichatpong Weerasethakul dankte «den Geistern in Thailand», die das Team während der Dreharbeiten umgeben hätten. Der Regisseur hatte während des Filmfestes an der französischen Riviera die strenge Zensur in seiner Heimat kritisiert.

Verlorener Sohn
In seinem Film erzählt der 39 Jahre alte Regisseur in vielen Traumsequenzen von einem todkranken Mann, der die letzten Tage seines Lebens bei seiner Familie auf dem Land verbringen will.

Dort erscheinen ihm seine tote Frau und sein verschollen geglaubter Sohn. Mit ihnen begibt er sich auf eine Reise zu dem Geburtsort seines ersten Lebens. Dabei setzt Apichatpong Weerasethakul auf die Vorstellungskraft und Fantasie der Zuschauer, was für einige hoch poetisch, für andere extrem langweilig ist.

Unglückliche Kunsthändlerin
Als beste Schauspielerin wurde Juliette Binoche geehrt, die bei ihrer Rede mit den Tränen kämpfte. Die 46-jährige Französin dankte ihren Eltern und ihren Kindern sowie allen Männern, die es bislang mit ihr «ausgehalten» hätten. Binoche sprach auch über den iranischen Regisseur Jafar Panahi, der seit zwei Monaten in Teheran im Gefängnis sitzt und daher nicht in der Jury des Festivals sein konnte.

Die Französin spielt die Hauptrolle im Wettbewerbsfilm «Copie Conforme», eine unglückliche Kunsthändlerin. In dem Film des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami geht es um Original und Fälschung und im übertragenen Sinne um die Echtheit von Beziehungen.

Erkrankter Vater
Ein Novum gab es bei dem Preis für den besten männlichen Schauspieler. Diesen teilen sich der spanische Darsteller Javier Bardem und sein italienischer Kollege Elio Germano.

Der 41-jährige Bardem Spanier spielt die Hauptrolle im Wettbewerbsfilm «Biutiful». In dem Film des mexikanischen Regisseurs Alejandro Gonzalez Inarritu geht es um einen an Krebs erkrankten Vater zweier Kinder, der darum kämpft, die letzten Dinge zu regeln. Germano wurde für seine Rolle in «La Nostra vita» geehrt.

Film aus dem Tschad
Erstmals im Wettbewerb war auch ein Film aus dem Tschad. Regisseur Mahamat-Saleh Haroun wurde für «Un homme qui crie» mit dem Preis der Jury geehrt.

Den grossen Preis verlieh die Jury dem französischen Filmemacher Xavier Beauvois für «Des hommes et des dieux», der als einer der Favoriten für die goldene Palme gehandelt worden war. Für die beste Regiearbeit zeichnete die Jury den französischen Filmemacher Mathieu Amalric aus.

(bürg,dpa,sda)

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