Godard am Festival in Cannes, 2001. (Reuters)
Der Schweizer, der das Kino neu erfand
Es schmerzt die Schweiz, wenn Jean-Luc Godard im Ausland immer wieder als Franzose bezeichnet wird. Wäre er Franzose, entginge unserem Land der Anteil am Ruhm Godards, der als einer der grossen Erneuerer des Kinos gilt.
Ganz falsch ist es allerdings nicht, Godard als Franzose zu zählen. Der 1930 in Paris geborene Godard ist erst seit 1953 Schweizer Bürger und einen grossen, prägenden Teil seines Lebens verbrachte er in Paris.
Filmkritiker
Seine Laufbahn begann Godard in den 1950er Jahren als Filmkritiker. Zu seinem Freundeskreis zählten Leute wie François Truffaut, Jacques Rivette, Éric Rohmer und André Bazin.
1954 drehte er seinen ersten Film «Opération Beton», ein Dokumentarstreifen über den Bau des Staudamms Grande Dixence im Wallis. Bekannt wurde Godard aber erst sechs Jahre später mit «À bout de souffle», eigentlich ein Gangsterfilm und eine Hommage an den Film noir des amerikanischen Kinos.
Die neue Welle
Doch heute gilt Godards erster Erfolg vor allem als Klassiker der «Nouvelle Vague», dieser «neuen Welle» im Kino, für die sein Name neben denen von Truffaut, Rivette, Chabrol und Rohmer als Synonym steht.
Die «Nouvelle Vague» brach mit den althergebrachten Konventionen des Kinos. Aufnahmetechniken, Schnittfolgen, Kameraeinstellungen - überall setzten Godard und seine Mitstreiter neue Formen ein.
Der Auteur
Bedeutsam war auch der Begriff «politique des auteurs» - ein Postulat, das die Verantwortung des Regisseurs in den Vordergrund stellte für alle Aspekte eines Films - von der Aufnahme bis zum Schnitt.
Godard verband die künstlerische Erneuerung immer wieder mit einer teilweise radikalen Gesellschaftskritik in seinen Filmen. In den letzten Jahren begann der bald 80-Jährige mit dem eigenen Werk in seinen Filmen auseinanderzusetzen - exemplarisch im Film «Nouvelle Vague» von 1989.
Die Palme fehlt noch
In Cannes zeigt Jean-Luc Godard jetzt zum ersten Mal wieder seit sechs Jahren einen neuen Film. «Film socialisme» wird aber nicht im Wettbewerb gezeigt und damit hat Godard auch keine Chance auf die goldene Palme. Die fehlt ihm zwar in seiner Sammlung noch, aber mit goldenen Bären und Löwen, Césars und vielen Ehrenpreisen ist sie sonst schon reichhaltig bestückt.
Links
Godard in der Int. Movie Database
Cinema=Godard=Cinema - akademischer Blog von Glen Norton
«Film socialism» - Godards Film in CannesDas Reich der Sinne - Godards Lebenslust in Spiegel Spezial «100 Jahre Kino»Godard-Retrospektive im Stadtkino Basel (Mai 2010)
