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23.05.2011

Film-Tipp: Der Sieger von Cannes

Mit «The Tree of Life» zelebriert Terrence Malick 138 atemberaubende Minuten lang das Leben. Dabei klopft er permanent an die Himmelspforte, um zu sehen, ob da ein Gott thront. Das wird die einen Zuschauer berühren, die andern womöglich nerven. Die Jury in Cannes war begeistert: Goldene Palme.

Unbeschwerter Augenblick: der strenge Vater (Brad Pitt) für einmal ganz entspannt beim Spielen. (Ascot Elite)

Filmbären: Die Bewertung

6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut;
3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Bär

Selten hab ich mich nach dem Ansehen eines Trailers so auf einen Film gefreut wie auf Terrence Malicks «The Tree of Life». Seine früheren Filme «Badlands», «Days of Heaven» und «The Thin Red Line» gehören zu meinen persönlichen Kino-Favoriten.

Dann sitze ich voller Vorfreude im Kino, lasse mich von den Bildern von «The Tree of Life» überwältigen und erlebe zwischendurch doch meine Zweifel: Müssen all diese Bilder sein? Wäre weniger nicht mehr?

Magische Momente
Am Ende überwiegen dann doch die positiven Gefühle. Der Film hat mich immer wieder ganz unerwartet berührt. Absolut einmalig sind die Sequenzen, in denen Malick die Welt aus der Sicht eines Kleinkinds wiederzugeben versucht. Das sind magische Kinomomente.

Im Mittelpunkt steht Jack, der mit zwei jüngeren Brüdern in den 50er und 60er Jahren in einer texanischen Kleinstadt aufwächst. Als Erwachsener (Sean Penn) arbeitet er in einem Glaspalast, ein harter Kontrast zur Natur seiner Kindheit.

Genial oder langweilig?
Als Junge nimmt Jack seine Mutter (Jessica Chastain) als Engel, seinen Vater (Brad Pitt) als Tyrann wahr. Eigentlich möchte er wie seine Mutter sein, wird aber immer mehr wie sein Vater. Gleichzeitig kommen ihm Zweifel, ob Gott wirklich richtig handelt, wenn er einfach alles geschehen lässt.

«The Tree of Life» enthält immer wieder minutenlange Passagen mit überwältigenden Natur- oder Weltraumaufnahmen. Dazu erklingt sakrale oder klassische Musik. Dabei kann man zurücklehnen, staunen und über vorangegangene Szenen nachdenken.

Volles Risiko
Man kann sich aber auch langweilen und fragen, was das alles soll. Besonders die meiner Ansicht nach unnötigen Dinosaurier-Szenen können einen auch zum Urteil bringen, dass Terrence Malick zu viel wollte und daher gescheitert ist, auf sehr hohem Niveau zwar, aber gescheitert.

Letztlich muss das jeder Zuschauer für sich selber entscheiden. Ich selber schätze es sehr, wenn ein Regisseur Risiken eingeht. Daher ist «The Tree of Life» für mich trotz einzelner Fragezeichen sehr sehenswert. Ich werde ihn sicher noch einmal schauen. (rb)

Filmbären:
6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut; 3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Hund

«Box-Office»-Beitrag 1 von SF

«Box-Office»-Beitrag 2 von SF

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
Hören (3:31)



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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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