Film-Tipp: Der beste Martin-Suter-Film
Sie waren einst Spielkameraden: Konrad (Gérard Depardieu, links) und Thomas (Niels Arestrup). (Columbus)
In «Small World» geht es um die kleine Welt in unseren Köpfen. Das Vergessen ist das grosse Thema. Denn der 60-jährige Hauswart Konrad Lang (Gérard Depardieu) leidet unter Alzheimer. Aber den Weg zu seiner einstigen Zieh-Familie hat er nicht vergessen.
Als er in der Villa seines einstigen Spielkameraden Thomas Senn (Niels Arestrup) auftaucht, bringt er die gediegene Eleganz der Gesellschaft durcheinander. Insbesondere Thomasʼ Frau Elvira (Françoise Fabian) ist gar nicht angetan.
Alter Kauz
Warum das reiche Ehepaar den alten Kauz am liebsten gleich wieder abschieben würde, stellt sich erst nach und nach heraus. Der Grund ist ein entscheidender Zwischenfall in der Kindheit von Thomas und Konrad.
Während Konrad gut gelaunt vergisst, was er vor 15 Minuten getan hat, erinnert er sich noch genau an seine Kindheit. Und dies könnte den Senns gefährlich werden. Aber sie können Konrad, der quasi zur Familie gehört, nicht einfach vor die Tür stellen.
Naiver Held
Der Film entwickelt sich fast wie eine Detektivgeschichte. Je mehr Puzzleteile aus der Vergangenheit auftauchen, desto klarer wird, warum das Ehepaar Senn Konrad als Bedrohung empfindet.
Die gediegene Machart, das stimmige Drehbuch und die starken Schauspieler machen «Small World» zum besten Film nach einer Martin-Suter-Vorlage. Und Gérard Depardieu brilliert als naiver Held, der das Herz auf dem rechten Fleck hat.
Französische Stars
Es ist natürlich toll, wenn ein Schweizer Roman mit französischen Stars verfilmt wird, was jedoch etwas sonderbar anmutet, ist, dass trotz der Verlegung der Handlung nach Frankreich die deutschen Namen der Figuren beibehalten wurden.
Das ist allerdings nur ein Detail, das einen nicht vom Gang ins Kino abhalten sollte. Die clever aufgebaute Story, die gute Inszenierung und das blendend aufspielende Darstellerensemble sind mehr als genug Pluspunkte. (rb)
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