Angela Merkel sass in der Sauna, Kabarettist Edgar Harter stand auf der Bühne, der junge Jan Hildebrandt hatte Geburtstag: Fast jede Person weiss noch, was er oder sie am 9. November 1989 getan hat, als die Berliner Mauer fiel.
Die Kirche hat beim Aufbruch in der DDR eine zentrale Rolle gespielt. «Wachet und betet» stand im Herbst 1989 auf den Transparenten an den Kirchen in Ost-Berlin - dieses Wort aus dem Matthäus-Evangelium wurde zum Motto der Fürbitt-Gebete und Mahnwachen. Uta Fey war Pfarrerin im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und hat den Tag der Wende vor Ort miterlebt.
Die DDR war ein Spitzel-Staat: Ein weit verzweigtes Netz von Spitzeln war für den Staatssicherheitsdienst (Stasi) tätig. Die Spitzel sammelten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen Informationen über tatsächliche - oder auch nur potenzielle - staatsfeindliche Äusserungen.
Der Kabarettist Edgar Harter ist seit vielen Jahren Mitglied des Berliner Kabaretts «Die Distel». Am 9. November stand er wie immer um 20 Uhr auf der Bühne, «Wir handeln uns was ein» wird gespielt, 420 Zuschauer, ausverkauftes Haus. Wie aber fing der Tag für Edgar Harter an?
Der Musiker Andrej Hermlin ist der Sohn des Schriftstellers Stephan Hermlin - er gehörte also zu den privilegierten im DDR-Staat und konnte auch ins Ausland reisen. Am Tag des Mauerfalls gab der Pianist Andrej Hermlin ein Konzert. 20 Jahre später liest er aus seiner Tagebucheintragung des 9. Novembers 1989.
Die Hildebrandts waren eine aussergewöhnliche Familie in Ost-Berlin: kirchlich und gesellschaftlich engagiert, aktiv im Brigade-Kollektiv, mit Verwandten im Westen. Und sie standen unter Stasi-Beobachtung. Regine Hildebrandt wurde gegen Ende der DDR zur beliebtesten Politikerin Ost-Deutschlands, von vielen «Mutter Courage des Ostens» genannt. In dieser Familie wächst Jan Hildebrandt auf. Er erzählt von seinem 9. November 1989 - sein Geburtstag.