Film-Tipp: Videokratie Italien
Ernste Mienen im Fernsehland, nur einer grinst immer und überall: Presidente Silvio Berlusconi. (Filmcoopi)
Es gibt Talentshows, wo Hinz und Kunz zeigen, was sie zu können glauben. Zum Beispiel singen oder kickboxen. Ricky glaubt, beides gleichzeitig zu können. Ein Irrtum, den er von einem Casting zum nächsten schleppt.
Dann gibt es - zumindest in Italien - auch «Talentshows», wo junge Frauen, die sich für schön und sexy halten, versuchen «Veline» zu werden, so etwas wie Gogo-Girls, die um männliche TV-Moderatoren herum tänzeln.
Dümmliche TV-Programme
Das ist die Welt von «Videocracy». Eines der Möchtegern-TV-Girls sagt sogar: «Ich will eine Velina werden, und dann einen berühmten Fussballer heiraten.» Was ist aus dem Traum vom Einfamilienhäuschen geworden?
Regisseur Erik Gandini ist kein Mann der feinen Zwischentöne. Er polemisiert in «Videocracy» und suggeriert, Silvio Berlusconi stelle sein Volk mit dümmlichen TV-Programmen ruhig, damit es weder seine Politik noch seine Geschäfte hinterfragt.
Paparazzo wird zum Star
Der Film porträtiert absonderliche Gestalten wie Italiens mächtigsten TV-Agenten, der sich vor laufender Kamera als Mussolini-Verehrer outet. Das ist Lele Mora und selbstverständlich ist er ein Busenfreund Berlusconis.
Dann gibt es da noch den Paparazzo Fabrizio Corona, einst Moras rechte Hand, der reich wurde, indem er unvorteilhafte Fotos von TV-Stars nicht an die Medien, sondern an die abgebildeten Stars selber verkauft. Die zahlen, um die Publikation der Fotos zu verhindern.
Ein wahrer Kern
Corona fotografiert heute nicht mehr selber, dafür hat er Angestellte. Er sieht sich als modernen Robin Hood, der die Reichen ausnimmt, aber alles für sich behält. Mit dieser Methode ist er selber zum Star geworden.
Möglich ist so etwas in unserem südlichen Nachbarland, wo es auch möglich ist, dass der Presidente die wichtigsten Medien des Landes kontrolliert. Darum fragt man sich am Schluss, ob die Polemik des Films mehr als nur einen wahren Kern hat. (rb)
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