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01.02.2010

Film-Tipp: Der Überflieger George Clooney

Es gibt zwei Dinge, auf die Verlass ist. Erstens: George Clooney spielt meist tolle Rollen, siehe «Ocean's Eleven» oder «Michael Clayton». Zweitens: Regisseur Jason Reitman macht meist tolle Filme, siehe «Thank You for Smoking» oder «Juno». Gemeinsam haben die beiden nun «Up in the Air» gedreht und es ist: ein toller Film.

Der nomadische Ryan Bingham (George Clooney) findet in Alex (Vera Farmiga) eine Seelenverwandte. (Universal)

«Ich will keine Filme machen, die Antworten geben», meint Regisseur Jason Reitman. «Sollte in meinen Filmen eine Botschaft stecken, dann die, dass man für alles offen sein soll.» Zum Beispiel offen für einen Typen, der in den ganzen USA rum düst, um das zu tun, was Firmenchefs ungern selber tun: Leute entlassen. Ryan Bingham (George Clooney) ist ein Profi-Rausschmeisser. Stets korrekt, aber mit dem Gesichtsausdruck eines Kühlschranks, entlässt er Alte und Junge, Alleinstehende und Familienväter. Bingham beschreibt sein Jobprofil als eine Art Mischung aus Hauswart und Terminator.

Luxus und schöne Frauen
Die Vorstellung, acht Stunden am Tag den Leuten immer dieselbe schlechte Nachricht überbringen zu müssen, ist grauenvoll. Nicht für Bingham. Er entwickelt sogar ein Berufsethos und wehrt sich dagegen, als sein Arbeitgeber die Entlassungsgespräche via Webcam machen will. Was ihn jedoch mehr stört als der unpersönliche Stil ist der Umstand, dass er dann nicht mehr reisen könnte. Als Vielflieger wird er von den Airlines nämlich bevorzugt behandelt. Und er wohnt in den besten Hotels auf Geschäftsspesen. Auf diesen Luxus will er genauso wenig verzichten wie auf die Möglichkeit, unterwegs mit schönen Frauen Schäferstündchen zu haben.

Philosophie mit Haken
«Up in the Air» wirkt so aktuell, weil der Film nicht nur die schlechte Wirtschaftslage thematisiert, sondern auch die fehlende Bereitschaft, sich zu binden. Nebenbei hält Bingham nämlich Vorträge übers Loslassen von Lebensballast. Feste Beziehungen beschreibt er als Problemherde. In seiner stoischen Ruhe wirkt er fast wie ein Zen-Meister. Aber unterschwellig spürt man, dass seine Philosophie einen Haken hat. Bingham vermeidet jegliche Bindung an Menschen, an eine Wohnung, an eine Heimatstadt, um gar nicht erst in die Situation zu kommen, einmal loslassen zu müssen.

Modernes Nomaden-Leben
Bingham will immer selber derjenige sein, der bestimmt, wann er etwas nimmt und wann er es wieder loslässt. Deshalb ist er so gut darin, Menschen mitzuteilen, sie müssten ihren Job loslassen. Er selber will seinen Job und das dazu gehörende moderne Nomaden-Leben jedoch unbedingt behalten.

George Clooney spielt diesen Ryan Bingham aalglatt, aber zugleich auch sehr verletzlich. Keiner könnte das besser. Und Regisseur Jason Reitman gelingt es, die Geschichte so elegant zu inszenieren, dass der Film nicht deprimiert, sondern nachdenklich stimmt. Und, was noch viel wichtiger ist: «Up in the Air» überrascht. Ein echter cineastischer Höhenflug.

Alternativer Trailer


Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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