Film-Tipp: Mauer aus Lügen
Anna Maria Mühe und Ulrich Matthes überzeugen als Inga und Robert. (Look Now!)
Bis zu dem Novembertag, an dem der Literaturprofessor Robert in Malchow, einem kleinen Ort in Mecklenburg, auftaucht, verläuft Ingas Leben in wohlgeordneten Bahnen. Doch als Robert der Bibliothekarin erzählt, er habe ihre Mutter Anna vor einigen Jahren in Konstanz getroffen, realisiert Inga, dass ihr Leben auf einer Lüge gründete. Ihre Mutter ist nämlich nicht in der Ostsee ertrunken, wie ihre Grosseltern immer behaupteten, sondern 1980 aus der DDR in den Westen geflüchtet. Dabei hat sie Inga als Baby schweren Herzens zurück gelassen, weil das Kind am lange geplanten Tag der Flucht hohes Fieber hatte. Sie glaubte, das Baby würde die Strapazen nicht überstehen. Deshalb lieferte Anna die Kleine ihren nichts ahnenden Eltern unter dem Vorwand ab, sie müsse bloss kurz zur Apotheke, um Medikamente zu holen.
Das alles erfährt Inga, während sie mit Robert nach Konstanz reist, um dort endlich ihre Mutter kennen zu lernen. Doch dann kommt der nächste Schock: Auch Robert hat nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Christian Schwochows Film schildert, warum Mutter und Kind auch nach der Wende nicht zusammen kamen. Eine ebenso diffizile wie komplizierte Geschichte darüber, wie sehr Sachzwänge und Missverständnisse das Schicksal von Menschen bestimmen können. Auf der einen Seite schildert «Novemberkind» die Suche einer Frau nach ihren Wurzeln, auf der anderen Seite geht es auch um das Niederreissen alter Mauern. Als Entdeckung erweist sich die 24-jährige Anna Maria Mühe, die nicht nur die Tochter Inga, sondern in den Rückblenden auch die Mutter Anna spielt. Und als Robert glänzt Ulrich Matthes.
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