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Freitag, 28.8.2009

Bewegene Trauerfeier für Hugo Loetscher

Mehrere hundert Personen haben im Zürcher Grossmünster von Hugo Loetscher Abschied genommen. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Politik erwiesen dem bekannten Schriftsteller die letzte Ehre.

Pfarrerin Käthi La Roche bei der Trauerfeier. (Keystone)

Anlässlich der Trauerfeier für Hugo Loetscher hielten hielten Bundesrat Moritz Leuenberger und der Autor Urs Widmer bewegende Reden. Beide waren mit dem Verstorbenen befreundet.

Zudem wohnten zahlreiche Schriftstellerkollegen dem Gottesdienst bei, darunter Ruth Schweikert und Peter Zeindler. Auch Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch befand sich unter den Trauergästen.

Widmer: «Ein grosser Einzelgänger»
Urs Widmer beschrieb in seiner sehr persönlichen, von sanftem Witz getragenen Ansprache den Verstorbenen als einen «sozial ungeheuer begabten» Menschen, der zugleich ein grosser Einzelgänger gewesen sei.

Hugo, der als «Prolet jenseits der Sihl» in einem Elternhaus ohne Bücher aufgewachsen sei, habe seine Herkunft nie vergessen: «Er hatte Herz und Verstand, auch für jene, die scheiterten», sagte Widmer.

Loetscher habe sich auch nicht gescheut, zu einer Zeit über Homosexualität zu schreiben, als dies in der Schweiz noch ein Tabu war. Es sei bewundernswert, so Widmer, wie Loetscher dieses Thema literarisch verarbeitet habe.

Leuenberger: «Ein grosser Übersetzer»
Demgegenüber ging Moritz Leuenberger der Frage nach, warum Hugo Loetscher so viele unterschiedliche Menschen mit seinem Schreiben bewegte.

Leuenberger würdigte Loetscher als «grossen Übersetzer» im mehrfachen Wortsinn. Der Schriftsteller habe «zu uns und für uns» übersetzt, dies sei seine Kraft und Kreativität gewesen. Er habe in den USA über die schweizerische Demokratie gelesen, und er habe den Schweizern andere Kontinente und Länder näher gebracht, sagte der Bundesrat.

Auch habe Loetscher seine Überzeugung kundgetan, dass die Schweiz in der Welt sei und die Welt in der Schweiz. Er habe stets klar Stellung bezogen, auch zum Tagesgeschehen. Seiner Kritik fehle aber jegliche Bitterkeit. «Wo die Bitterkeit fehlt, bleibt Platz für heiteren Esprit, Witz und Ironie», sagte Leuenberger.

Laut Leuenberger verkörperte Loetscher mit seinem Ausschwärmen in die Welt und seiner Rückkehr nach Zürich zugleich «globales Bewusstsein und lokale Verwurzelung».

«Hugo Loetscher hat an die Liebe geglaubt»
Pfarrerin Käthi La Roche machte in ihrer Predigt deutlich, dass sich Loetscher stets kritisch mit Glaubensfragen auseinandersetzte. Trotzdem sei sie überzeugt, dass er ein gläubiger Mensch gewesen sei: «Hugo Loetscher hat an die Liebe geglaubt», sagte sie.

Die schlichte Feier wurde - nicht ganz zufällig - von melancholischen brasilianischen Liedern umrahmt. Loetscher galt nämlich als intimer Kenner des südamerikanischen Kontinents, den er wiederholt bereiste und in verschiedenen Reisereportagen beschrieb.

Der 1929 in Zürich geborene Loetscher war am 18. August nach einer schweren Operation in Zürich gestorben. Er galt als einer der bedeutendsten Schweizer Gegenwartsautoren. Im Dezember wäre er 80 Jahre alt geworden. Er wird in einem Ehrengrab auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld bestattet. (pet, sda)

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