Film-Tipp: Schön gruselig
Coraline gerät in eine Traumwelt (Universal Pictures)
Auch wenn viele meinen, der geniale Puppentrickfilms «Nightmare Before Christmas» sei von Tim Burton (er war «nur» Autor und Produzent), die Regie stammt von Henry Selick. Nun hat der 56-jährige Amerikaner auch «Coraline» im selben Stop-Motion-Verfahren gedreht. Sehen, wie es gemacht wird. Um den 3D-Effekt zu erzielen, nahm Henry Selick jede Szene mit zwei leicht versetzten Kameras auf. Entstanden ist ein modernes Animationsmeisterwerk, das man wenn irgend möglich mit 3D-Brille geniessen sollte. Es lohnt sich.
Erzählt wird die Geschichte der elfjährigen Coraline, die es hasst, Caroline genannt zu werden. Das Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen ist mit seinen Eltern soeben in ein abgelegenes Haus auf dem Land gezogen. Dort entdeckt Coraline eine kleine Tür, die in eine Parallelwelt führt, in der ihre «anderen» Eltern leben, Eltern, die immer Zeit für sie haben und immer nur gutes Essen kochen. Anstelle der Augen haben diese «anderen» Eltern jedoch schwarze Kleiderknöpfe. Bald merkt Coraline, dass deren Verführungskünste eine Falle sind.
Das moderne Märchen hat Neil Gaiman ursprünglich für seine beiden Töchter geschrieben. Illustriert hat das Kinderbuch Dave McKean, der mit Gaiman zuvor schon herausragende Comics wie «Violent Cases» oder «Black Orchid» geschaffen hatte. Die beiden Engländer McKean und Gaiman haben eine Vorliebe für unheimliche Geschichten, «gothic stories», wie sie im Englischen heissen. Das ist auch bei «Coraline» gut zu spüren, deshalb sind eben nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene davon fasziniert. Nach dem Buch ist nun auch der Film ausgesprochen faszinierend geworden. Ein fantasievolles Fest für die Augen. Nicht auf die DVD warten, sondern unbedingt im Kino sehen!
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