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Zehn Hochstapler, die Geschichte schrieben

Ob Alchemist im 18. Jahrhundert oder Star-Reporter im Informationszeitalter - Hochstapler gab es zu allen Zeiten. Manche von ihnen haben mit ihren geschickten Schwindeleien Geschichte geschrieben.

Stern-Reporter Gerhard Heidemann im April 1983 mit einem angeblichen Hitler-Tagebuch. (Keystone)


Frank Abagnale (geb. 1948)


Foto: Keystone

Pilot, Arzt, Rechtsanwalt – das alles war Frank Abagnale, noch bevor er 21 Jahre alt war. Der Hochstapler und Scheckbetrüger wurde Ende der 1960er-Jahren weltweit bekannt. Als er 1969 in Frankreich verhaftet wurde, belief sich Abagnales Schadenssumme auf rund 2.5 Millionen Dollar mit Gläubigern in 26 Ländern.

Abagnale lieferte 2003 das Vorbild für den Film «Catch Me If You Can» mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Heute betreibt er ein Beraterunternehmen für Banken und Hotels. Das Spezialgebiet der Firma: Beratung bei Scheckbetrug und Dokumentenfälschung.



Jayson Blair (geb. 1976)


Foto: Keystone

Der junge Reporter der New York Times erfand bis zum Jahr 2003 systematisch Zitate, Interviews und Reportagen – oder kupferte bei Journalistenkollegen ab. Nachdem seine Fälschungen aufgeflogen waren, löste dies eine Krise bei dem Renommierblatt aus.

Nach seiner Entlassung ging Blair zurück an die Uni und ist heute als Lebensberater tätig. Seine Erfahrungen bei der New York Times hat er im Buch «Burning Down My Masters' House» niedergeschrieben.



Michael Born (geb. 1958)


Foto: Keystone

Als Fernsehjournalist produzierte Michael Born vor allem für «Stern TV» und «Spiegel TV» gefälschte Reportagen. Born begannt damit, dass er – zur eigenen Sicherheit – reale Kriegsberichte mit Archivaufnahmen von Explosionen versah. Das Material wurde nur oberflächlich geprüft, worauf er begann, diese Methode vermehrt anzuwenden.

1996 wurde Born verurteilt. Beim Prozess warf er den nachlässigen Redakteuren eine wesentliche Mitschuld an seinen Fälschungen vor. Günther Jauch, damaliger Chefredaktor von Stern TV, verteidigte sich damit, dass er «nie im Schneideraum» gearbeitet habe.



Alexander Graf von Cagliostro (1743-1795)

Der Hellseher, Spiritualist, Alchimist und vielfältige Betrüger Alexander Graf von Cagliostro lebte im Italien des 18. Jahrhunderts. Er führte ein liederliches Leben und tüftelte Betrügereien und andere Verbrechen aus, ohne sich dem Risiko der Entdeckung auszusetzen.

In London und Paris verkaufte Cagliostro Liebestränke, Jugendelixiere und alchemistische Pulver, womit er hohe Profite erzielte. Bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1789 wurde er in den besten Kreisen der Gesellschaft empfangen und besonders von Damen sehr bewundert.



Hauptmann von Köpenick (1849-1922)


Polizeifoto

Der Schuster Wilhelm Voigt wurde 1906 als Hauptmann von Köpenick bekannt: Verkleidet als preussischer Hauptmann und mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten raubte er die Staatskasse aus dem Rathaus von Köpenick. Der Geniestreich sorgte in ganz Deutschland für Gelächter, angeblich bis hoch zum Kaiser.

Unmittelbar nach der Tat, noch bevor Voigt gefasst war, wurde die Episode bereits für das Berliner Theaterpublikum aufbereitet. In Erinnerung geblieben ist der Hauptmann von Köpenick durch den gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann, ein Klassiker des deutschen Kinos von 1956.



Felix Krull (Roman, 1954)


Filmszene

Die Fiktive Figur des Felix Krull stammt aus dem Roman «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» von Thomas Mann. Die Geschichte ist als Parodie auf Goethes Autobiografie «Dichtung und Wahrheit» gedacht. Die Figur des Künstlers wird in Manns Roman in die Nähe des Hochstaplers gerückt.

Thomas Mann plante den Roman bereits 1905, schrieb ihn allerdings erst 1954, kurz vor seinem Tod, fertig. Bereits drei Jahre später verfilmte Regisseur Kurt Hoffmann den Stoff mit Horst Buchholz (Bild) in der Hauptrolle.



Konrad Kujau (1938-2000)


Foto: Keystone

Mit seiner Fälschung sorgte Konrad Kujau für einen der grössten Skandale in der deutschen Pressegeschichte: Der Kunstmaler verkaufte 1983 die angeblich originalen Hitler-Tagebücher an das Magazin Stern. Als kurz darauf die Wahrheit ans Licht kam, hatte der Stern bereits 62 Bände für 9.3 Millionen D-Mark gekauft.

Die Chefredaktion des Sterns musste in der Folge zurücktreten. 1985 wurde Kujau verhaftet, machte sich später aber seinen Ruf zu Nutze und verkaufte Kunstimitate als «original Kujau-Fälschungen». Als Fälschungsexperte trat er auch im Fernsehen auf – allerdings nicht bei Stern- sondern bei Spiegel-TV.



Tom Kummer (geb. 1963)


Foto: Keystone

Der Schweizer Journalist Tom Kummer ist ein weiterer Kandidat in der Sparte «Medienskandal». Ab 1993 arbeitete Kummer als Hollywood-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Zeitungen. Im Jahr 2000 stellte sich heraus, dass er mehrere Interviews mit Stars teilweise oder ganz erfunden hatte.

Nach einer längeren Schreibpause gab ihm die Berliner Zeitung eine zweite Chance. Als 2005 herauskam, dass eine seiner Reportagen aus bereits veröffentlichtem Material bestand, wurde Kummer per sofort freigestellt. Heute lebt er wieder in Los Angeles – als Tennis Trainer und Drehbuchautor.



Gert Postel (geb. 1958)


Foto: Keystone

Der deutsche Gert Postel, von Haus aus gelernter Postbote, erlangte in den 1980er- und 90er-Jahren Bekanntheit als falscher Arzt. Postel gibt an, dass seine Mutter an einer Fehlbehandlung wegen Depression starb. Daraus sei später die Absicht entstanden, die Psychiatrie als «heisse Luft» zu enttarnen.

Sein erstes Vorstellungsgespräch als Artz hatte Postel in Flensburg. Auf die Frage, worüber er promoviert hätte, antwortete er: «Über die Pseudologia phantastica am literarischen Beispiel der Figur des Felix Krull nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann und die kognitiv induzierten Verzerrungen in der stereotypen Urteilsbildung». Und Postel wurde eingestellt.



Binjamin Wilkomirski (geb. 1941)

Der Schweizer mit richtigem Namen Bruno Dössekker veröffentlichte 1995 bei Suhrkamp seine angebliche Autobiografie als Auschwitz- und Majdanek-Überlebender. Das fiktive Werk wurde international zu einem Klassiker der Holocaust-Literatur hochgelobt, drei Jahre später allerdings von Weltwoche-Autor Daniel Ganzfried als Fälschung enttarnt.

Gründe für die Fälschung liegen in Dössekkers Kindheit: Als Waisenkind wurde er adoptiert und vermutlich von seiner Pflegemutter misshandelt. Diese Erfahrung hat er in einem komplexen Prozess der Verschiebung in eine Shoah-Kinderbiografie verwandelt. Wie bewusst und geplant er dabei vorging, bleibt dahingestellt.

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