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Radio-Oper: «Ihr bleichen Schatten»

Streifzug im Rahmen von «Radio-Kulturcafé DRS 2». 29. September und 14. Oktober 2010.

Basel: Mittwoch, 29. September 2010, 19.30 bis ca. 21.00 Uhr,  Kaffeehaus «unternehmen mitte»

Zürich: Donnerstag, 14. Oktober 2010, 20.00 bis ca. 21.30 Uhr, Theater Neumarkt

Am Anfang stand eine CD, mit der man hier auf der Musikredaktion nicht so recht etwas anzufangen wusste: «Händel, Un' Opera immaginaria» stand drauf. So etwas wie eine «Händel Opern-Entdeckung»? Zu den Feierlichkeiten seines 250. Todestages? Oder einfach ein Marketing- Gag?

Sagen wir mal so: Ein französischer Musikwissenschaftler hat aus den 38 Opern Händels die schönsten Arien ausgewählt, hat dabei aber darauf geachtet, keine der sechs Grundleidenschaften der Seele (Les passions de l'âme, Descartes) beiseite zu lassen, als die damals galten: Liebe, Hass, Begehren, Freude, Traurigkeit und Verwunderung, und die auch für Händels Arien ton-angebend waren. Daraus hat er nach den Regeln der barocken Dramaturgie eine neue dreiaktige Oper zusammengestellt gemäss den barocken Bauplänen: mit einem brillianten und abwechslungsreichen ersten Akt, einem tragischen zweiten und einem mächtig und martialischen dritten, bei dem alle Knoten aufgelöst werden und dem «Lieto Fine» (Happy End) nichts mehr im Wege steht.

Was nach Schema X klingt, war bereits im 18. Jahrhundert gang und gäbe und hat grosse Kunst nicht weiter behindert. Händel selber hat immer mal wieder bei sich selbst Arien ausgeborgt, sei es, weil sie besonders gut gelungen waren und das Publikum danach verlangte, oder sei es, weil die Zeit einfach drängte und er auf Bestehendes zurückgreifen musste. Es reichte, einen neuen Text zu unterlegen. «Arie di Baule» wurden diese Lego-Steine genannt, Koffer-Arien. Stücke, welche die Sänger und Sängerinnen mitführten und die sie bei Gelegenheit auspackten und einfügten, egal ob sie in einem Oratorium oder in einer Oper sangen.

Eine Haltung, die geradezu einlädt, mit dem neu zusammengefügten Material weiterzuspielen, worum der Schriftsteller Peter Zeindler von DRS 2 gebeten wurde. Und so hat er rund um Teseo, Serse, Amadigi und Alcina, rund um ihre Rache-, Rase-, Klage- und Seufzerarien eine Geschichte erfunden, die im Theater spielt. In der Oper. Das Personal baut er um Händels Musik herum, eine Diva, eine eifersüchtige Gattin, ein Dirigent und ein Regisseur. Alle gegen alle, aber auch alle ein bisschen mit allen. Und damit man möglichst nahtlos vom Einst ins Heute gelangt, vom Dialog in die Arie, vom Italienischen ins Deutsche und von Zeindler zu Händel, gibt es Moritz, einen kleinen Regieassistenten, der Kaffee bringen muss und dem Orchester die Pause ansagen, von der Diva ein Lächeln geschenkt kriegt und vom Dirigenten den Kopf gewaschen. Und der für seine selbstgebackenen Dichtungen von allen gleichermassen heiss geliebt und gehasst wird.

«Ihr bleichen Schatten - wenn Gespenster Gestalt annehmen»

Eine Radio-Oper. Gäste vor Ort: Peter Zeindler, der vorgängig über seine Liebe zum Theater spricht, über das Ende seiner Geschichten und warum es dort so oft Tote gibt. Und mit Regisseur Buschi Luginbühl, der aus Libretto und CD die Radio-Oper umgesetzt hat.

Kostenlose Veranstaltungen für DRS 2-Kulturclub-Mitglieder.

Platzreservation mittels Anmeldetalon obligatorisch.

Anmeldeschluss: 17. September.

Maximalbeteiligung:

Basel: 50 Personen

Zürich: 165 Personen

Veranstaltung in Kooperation mit dem Theater Neumarkt, www.theaterneumarkt.ch

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