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  • Zurück zum Dossier «2009: Das Haydn-Jahr»

Franz Josef Haydn, Portrait von Thomas Hardy, 1791

Ein «Original» im Rampenlicht

Klein und untersetzt, soll er gewesen sein. Die Nase gross und markant, das Kinn kräftig. Im Auftreten aber gab sich Joseph Haydn bescheiden und servil, letzteres sozusagen von Berufes wegen: Über 20 Jahre verbrachte Haydn als Kapellmeister am Hof der musikliebenden Fürsten Esterházy in Ungarn, nahe der österreichischen Grenze.

Hier leistete er im Rang eines Hausoffiziers Dienst nach Vorschrift. Und das umspannte ein weites Aufgabenfeld: Er leitete Orchester- und Theaterproben, arrangierte Opernaufführungen. Daneben komponierte er in erster Linie Musik für den täglichen Gebrauch am Hof: Werke für Baryton etwa, jenem merkwürdigen Instrument zwischen Cello und Gambe, das der Fürst so liebte, oder Sinfonien für das Hausorchester und Opern für die abendlichen Vorstellungen.

Originalität durch Abgeschiedenheit

Das abgeschottete Leben in der Provinz nutzte Haydn zur persönlichen Weiterbildung, wie seine vielzitierte Aussage verdeutlicht: «Niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden». Was der Komponist darunter versteht, erklärt er auch gleich: «Ich konnte als Chef des Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt und was ihn schwächt, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen.» Haydn zeigt sich darin von seiner beharrlichen Seite. Sein kräftiges Kinn steht als Sinnbild dafür.

Die Folgen dieses musikalischen Experimentierens: Dutzende von Sinfonien, bei der allerdings keine der anderen gleicht. Jede ist sozusagen ein musikalischer Sonderfall. Manchmal bleibt nur Staunen darüber, wie Haydn aus einem simplen musikalischen Einfall einen ganzen Satz entwickelt. Oder zahlreiche Streichquartette, bei denen sich die einzelnen Stimmen in einem Werk zueinander verhalten wie «vier vernünftige Leute im Gespräch». Die Kompositionen enthüllen noch eine weitere sprichwörtliche Eigenheit des Komponisten: seinen Humor. Haydn spielt gerne mit den Hörerwartungen. Er setzt Pausen, wo man sie nicht erwartet, verblüfft mit frechen harmonischen Wendungen, überrascht mit plötzlichen Akzenten oder widerborstigen Rhythmen.

24 Opern und eine Stabat Mater

Die Sinfonien und Streichquartette bilden den Kern von Haydns Schaffen. Daneben komponierte er unter anderem 14 Messen, 24 Opern, 24 Konzerte, 21 Streichtrios, 41 Klaviertrios, 52 Klaviersonaten. Es ist dieses unglaublich vielgestaltiges und in seiner Qualität erstaunliches Schaffen, was Haydn zum Meister der Wiener Klassik, ja zum eigentlichen Gründer der Klassischen Musik macht.

Annelise Alder

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