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Freitag, 10.2.2012

Dirigentenjahrgang 1912

(colourbox.com)

Es ist ein Zufall – aber ein auffälliger. Verblüffend viele Dirigenten, die das Klassik-Klangbild des 20. Jahrhunderts geprägt haben, sind im Jahr 1912 zur Welt gekommen. DRS2 widmet diesem grossen Dirigentenjahrgang eine Reihe im Rahmen der Sendung «Grosse Interpretationen». Sieben der 1912er-Dirigenten werden vorgestellt – jeweils in der Woche ihres 100. Geburtstages.

 

Günter Wand (* 7. Januar 1912 in Elberfeld, Deutschland)


(Keystone)

Zehn Jahre nach Günter Wands Tod ist klar: die Erinnerung an den deutschen Dirigenten wird untrennbar mit dem Namen Anton Bruckner verbunden bleiben.

Wochen- und monatelang hat Günter Wand die Bruckner-Sinfonien studiert. Er hat sie immer wieder dirigiert und in den Proben stets unerbittlich an einer genauen Umsetzung des Notentextes gearbeitet. Gegen Ende seiner Alterskarriere galt er gar als lebendes Gewissen Bruckners.

Mit drei verschiedenen Orchestern hat er die Bruckner-Sinfonien aufgenommen – die letzten Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern können als sein künstlerisches Vermächtnis angesehen werden.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Grosse Interpretationen: Dienstag, 10. Januar, 16-17 Uhr


Ferdinand Leitner (* 4. März 1912 in Berlin)


Der Musikkritiker Wolfgang Schreiber zählt Ferdinand Leitner zur Zunft der «gründlichem, erfahrenen, das Dirigentenhandwerk vollkommen beherrschenden Kapellmeister, die für die Qualität des Musiklebens in Deutschland wichtig waren und sind.» Ein solider Könner – oder doch mehr als das?

Sicher mehr als das: Ferdinand Leitner hat Operngeschichte geschrieben, 20 Jahre lang in Stuttgart und danach 15 Jahre lang in Zürich.

Er hat rund 50 Opern-Uraufführungen geleitet, sich für die Oper des 20. Jahrhunderts eingesetzt und die Werke seiner liebsten Komponisten – Wagner und Strauss – immer wieder in mustergültigen Interpretationen dargeboten.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 6. März, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


Sándor Végh (* 17. Mai 1912 in Koloszvár, damals Ungarn)


(Keystone)

«Dirigieren habe ich nie gelernt. Aber das Musizieren, die grosse Linie.» Das sagte einer, der von Haus aus Geiger war – und Geigenpädagoge. 25 Jahre lang hat Sándor Végh am Salzburger Mozarteum unterrichtet, und hier wurde er auch zum Dirigenten.

1978 übernahm er die Leitung der «Camerata Academica Salzburg», in der er unter anderem seine Meisterschüler mitspielen liess.

Während zweier Jahrzehnte hat er den Klang und den sprechenden Musizierstil dieses Kammerorchesters geprägt.

Véghs spontaner, urmusikalischer und intuitiver Zugang namentlich zu Mozart haben der musikalischen Vaterfigur weltweit Bewunderung und Hochachtung eingebracht.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 15. Mai, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


Sergiu Celibidache (* 11. Juli 1912 in Roman, Rumänien)


(Keystone)

Kaum ein Dirigent des 20. Jahrhunderts hat so sehr polarisiert wie Sergiu Celibidache. Er war ein sperriger, unbeugsamer Charakterkopf.

Celibidache weigerte sich stets, von seinen künstlerischen Vorstellungen zugunsten irgendwelcher Kompromisse auch nur eine Handbreit abzurücken. Die musikalischen Resultate gaben ihm Recht.

Zwar wurde seine legendäre Tendenz zu einer (ultra)langsamen Tempowahl von der Kritik und dem Publikum nicht einhellig goutiert.

Aber die Intensität, das bis ins letzte ausgehorchte Klangbild und die dramaturgische Schlüssigkeit seiner Interpretationen machten die «Celi»-Konzerte regelmässig zu unvergleichlichen Erlebnissen.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 10. Juli, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


Igor Markevich (* 27. Juli 1912 in Kiew)


(Bibliothèque nationale de France)

Igor Markevichs biografische Wurzeln sind über ganz Europa verteilt. In Russland wurde er geboren, in der Schweiz ist er aufgewachsen, in Frankreich hat er studiert, in Italien ging er gegen die Faschisten auf die Strasse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er eine weltweite Karriere als Dirigent, die ihm den Ruf eines scharfsinnigen Analytikers eingebracht hat.

Markevitch verknüpfte seinen kopfbetonten Zugang zur Musik zwar stets mit einer enormen Ausdrucksfähigkeit.

Der musikalische Ausdruck war für den asketisch hageren Dirigenten aber nie eine subjektive Garnitur, sondern immer das möglichst ungefilterte Resultat einer genauen Werkanalyse.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 24. Juli, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


Kurt Sanderling (* 19. September 1912 in Arys, Deutschland)


(Keystone)

Kurt Sanderling ist ein «Jahrhundertdirigent»: Er hat in 99 Lebensjahren eine äusserst wechselhafte deutsche Geschichte erfahren.

Im Kaiserreich geboren, wuchs er in der Weimarer Republik auf und wurde von den Nazis zur Flucht gezwungen.

Später wurde er als ostdeutscher Gegenpart zu Herbert von Karajan zu einer zentralen Figur des Musiklebens der DDR, und im wiedervereinigten Deutschland hat er schliesslich seinen Lebensabend verbracht.

Als Dirigent wurde er für seine Fähigkeit bekannt, Schönheit mit Tiefsinn zu verbinden – und für seine quasi authentische Interpretation der Werke Dmitri Schostakowitschs, mit dem er freundschaftlich verbunden war.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 18. September, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


Georg Solti (* 21. Oktober 1912 in Budapest)


(Keystone)

Es war die goldene Zeit Budapester Musikakademie. Als Georg Solti mit 13 Jahren sein Studium begann, unterrichteten hier die drei Überväter der jüngeren ungarischen Musikgeschichte: Béla Bartók, Ernst von Dohnányi und Zoltán Kodály.

Ihre Musik sollte für Solti immer eine wichtige Rolle spielen, auch wenn er 1939 aus Ungarn emigrierte.

Seine Karriere führte ihn zuerst an die grossen europäischen Opernhäuser. Später, als Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra, wandte er sich dann vermehrt dem sinfonischen Repertoire zu.

Nach Ungarn zurückgekehrt ist Georg Solti erst kurz vor seinem Tod 1997 – für ein Konzert mit Werken seiner früheren Lehrer.

Die Sendung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 23. Oktober, 16-17 Uhr: Grosse Interpretationen


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