Lage in Bangkok spitzt sich zu
Schutzwälle im Zentrum von Bangkok - Zehntausende verlassen die Stadt vor den drohenden Überschwemmungen. (Reuters)
In Thailands Hauptstadt Bangkok wird am Samstag um 18.00 Uhr (1300 MESZ) der Scheitelpunkt der Überschwemmungen erwartet. Dann wird sich entscheiden, ob grosse Teile der Stadt in den Fluten versinken. Alle Augen richten sich auf die Pegel des Flusses Chao Phraya und der Kanäle. Die Wasserläufe sind zum Bersten voll.
So erreichte der Wasserstand im Fluss Chao Phraya am Freitag die kritische Marke von 2,47 Meter. An mehreren Stellen brach das Flutwasser bereits über die 2,50 Meter hohen Barrieren. Strassen um den alten Königspalast sind bereits überschwemmt. Auf der gegenüber liegenden Flussseite standen die Anwohner schon bis zur Brust im Wasser.
Flughafen durch Wall geschützt
Andere Landesteile wie die Baderegionen im Süden Thailands sind nicht betroffen. Bangkoks internationaler Flughafen ist offen. Die Flughafenbehörden versichern, dass keine Überschwemmungsgefahr besteht. Das Gelände ist durch einen drei Meter hohen Flutwall gesichert.
Fatal für Bangkok ist das Zusammentreffen von Überschwemmungswasser aus dem Norden und Flutwasser aus dem Golf von Thailand. Eine Springflut mit besonders hohem Flutstand dürfte Wasser in die Mündung des Chao Phraya drücken. Gleichzeitig rauscht das Hochwasser aus den Überschwemmungsgebieten im Norden durch das Flussbett.
Aufruf zur Flucht
Das Krisenzentrum der Regierung (Froc) forderte Einwohner in besonders gefährdeten Bezirken entlang des Chao Phraya und im Norden noch einmal dringend zur Flucht auf. «In einigen Gebieten wollen die Leute nicht gehen, ehe sie die Überschwemmungen sehen», sagte Froc-Sprecher Tongthong Chandransu. «Das führt später nur zu Chaos.»
Gouverneur Sukhumbhand Paribatra inspizierte die Lage im Norden der Stadt. Wassermassen drangen von dort ungehindert auf das Stadtgebiet zu. Anwohner hatten dort Flutdämme verhindert, weil sie fürchten, dass ihre eigenen Strassen dann länger unter Wasser stehen.
«Wir arbeiten mit dem Krisenzentrum zusammen, um dort doch noch Flutwälle zu errichten», sagte er. «Wir sollten das Wasser einfach in den schon überfluteten Strassen stehen lassen.»
Verzicht auf Gräben in den Strassen
Transportminister Sukumpol Suwanatat verwarf einen Plan, den unabhängige Ingenieure und Wasserexperten in letzter Minute entworfen hatten: Sie wollten Gräben durch fünf Strassen im Osten Bangkoks baggern lassen, damit das Wasser schneller in Richtung Süden zum Meer abfliessen kann. «Dafür besteht keine Notwendigkeit», sagte der Minister. Die Strassen blockierten den Abfluss des Wassers nicht.
Bereits Milliardenschäden
Regierungschefin Yingluck Shinwatra schloss sich seiner Meinung an. Der wirtschaftliche Schaden geht bereits in die Milliarden. Nach Angaben der Bank von Thailand betrug er bis zum 19. Oktober bereits 140 Milliarden Baht (3,2 Milliarden Euro). Tausende Fabriken sind überflutet und stehen still. Wann dort wieder gearbeitet werden kann, ist nicht abzusehen. Die Bank revidierte ihre Wachstumsprognose für 2011 von 4,6 auf 2,6 Prozent. (bru, dpa)
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