Locarno lässt sich von Lubitsch berühren
Ernst Lubitsch in einer Fotografie vor 1920. (Alexander Binder)
Der Lubitsch-Touch ist legendär. Wer seine Filme gesehen hat, weiss, was gemeint ist, auch wenn es nicht leicht fällt, den Lubitsch-Touch in Worte zu fassen: Witzig, ironisch, charmant, leichtfüssig, immer wieder auch anzüglich und noch einiges mehr: das zeichnet die Filme von Ernst Lubitsch aus.
Am Filmfestival in Locarno wird der grosse Regisseur mit einer umfassenden Retrospektive geehrt. Zu sehen sind alle noch erhaltenen Filme im 35-mm-Format, alles in allem 50 Filme mit und von Lubitsch.
Lubitschs erste Rolle
Neben Hollywood-Klassikern zeigt die Retrospektive auch Stummfilme aus Lubitschs Anfängen als Schauspieler. In «Der Stolz der Firma» (1914) ist Lubitsch in seiner ersten Hauptrolle überhaupt zu sehen.
Dass Lubitsch nicht Schauspieler blieb, schrieb er selber dem Krieg zu und dem Umstand, dass er keine Rollenangebote mehr bekam. So begann er selber Einakter zu schreiben und inszenierte sie auch gleich selber.
Nach dem Ende des 1. Weltkriegs begann Lubitschs Aufstieg zum Starregisseur. Er drehte Filme mit Pola Negri, Emil Jannings, Asta Nielsen und den anderen Filmgrössen jener Zeit.
Von Deutschland nach Hollywood
Sein Ruf als erfolgreicher Regisseur drang auch in die USA. 1922 reiste Lubitsch nach Hollywood, um einen Film mit Mary Pickford zu drehen. Was wahrscheinlich nur ein Gastspiel sein sollte, wurde zum endgültigen Abschied von Deutschland.
Ernst Lubitsch knüpfte auch in Hollywood nahtlos an seine Erfolge in Deutschland an. Sein Name wurde in einem Atemzug genannt mit Cecil B. DeMille, D.W. Griffith, Charles Chaplin oder Erich von Stroheim.
Der Talkie kommt
Im Gegensatz zu andern Kollegen bereitete es Lubitsch auch wenig Mühe, vom Stumm- auf den Tonfilm umzustellen. Lubitsch drehte eine Reihe operettenhafter Musicals mit Maurice Chevalier und Jeanette MacDonald.
Aus den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren stammen schliesslich die Klassiker von Lubitsch, die auch heute noch dann und wann am Fernseher zu sehen sind: Von «Ninotschka», über «The Shop Around the Corner» bis zu «To Be or Not To Be».
«Keine Lubitsch-Filme mehr»
1947 entstand Lubitschs letzter Film «That Lady in Ermine», den er aber nicht vollenden konnte. Lubitsch starb am 30. November an einem Herzinfarkt. An seiner Beerdigung soll Regisseur Billy Wilder gesagt haben: «Kein Lubitsch mehr». Worauf Wilders Kollege William Wyler erwiderte: «Schlimmer noch: Keine Lubitsch-Filme mehr».
Patrick Bürgler
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