Oskar Panizza (1853-1921) beschreibt in seiner Erzählung «Aus dem Tagebuch eines Hundes» die Menschen-Welt aus der Perspektive eines Hundes. Dieser Kunstgriff des Autors erlaubt es ihm, das menschliche Tun und Lassen zu sezieren. DRS 2 stellt die Geschichte von 1892 in vier Teilen vor.
Der Erzähler und zugleich die Hauptfigur dieses ungewöhnlichen Tagebuchs ist ein philosophischer, in seinem Hang zur Systematisierung ungemein deutscher Dackel. Jung und unerfahren kommt er vom Land in die Stadt und lernt dort Strassen und Häuser, Polizisten und Kaffeestuben, Menschen weiblicher und männlicher Natur kennen (die er auf Grund ihrer Kleidung als «Beinzeiger und Beinverstecker» klassifiziert). Doch je öfter er auf Entdeckungstour geht, desto rätselhafter kommen ihm die Menschen vor. Und desto mehr Schläge kassiert er von seinem Herrn. Mehr
Es wird Sommer: Der eifrige Tagebuchschreiber wird aus den seltsamen Grimassen und Mundgeräuschen der Menschen nicht schlau. Auch das nächtliche Treffen seines Herrn mit einer «Beinzeigerin» hat den scharfsinnigen Dackel nachhaltig beschäftigt. Ein befreundeter Hund hingegen kann mit derlei Beobachtungen und Gedanken nicht viel anfangen. Er ist der Ansicht, grosse Fleischbrocken seien besser als alle Philosophie. Mehr
Die Klassifizierung der Menschen in «Beinzeiger und Beinverstecker» hat sich unter den Hunden der Stadt herumgesprochen - und findet mehr und mehr Zustimmung. Währenddessen glaubt unser Erzähler-Hund eine gänzlich neue, dritte Menschenrasse ausfindig gemacht zu haben: Deren Vertreter sind ausschliesslich nachts und in geschlossenen Räumen anzutreffen. Mehr
Der philosophische Dackel lebt nun schon ein halbes Jahr unter den Stadtmenschen - und verzweifelt allmählich an der Aufgabe, die Menschen einzuteilen. Zu verdreht, zu verrückt, zu umständlich erscheint ihm das Menschengeschlecht. Mehr