«Über die Esskunst» von Antonius Anthus
Adriaen van Utrecht, Stillleben, 1644.
Anthus spricht weder aus der Sicht des Geniessers noch aus der Sicht des Kochs sondern aus der des Essers, der sich der vorgesetzten Speise als würdig zu erweisen hat. Die Speisen zu verfeinern, überlässt er anderen.
Geniessen, was man isst
Dabei geht es ihm nicht allein um bessere Tischmanieren sondern hauptsächlich um eine Kultivierung, ja «Verwissenschaftlichung» des Geschmacks. Denn je verfeinerter dieser ist, desto besser wird man zu geniessen wissen, was man isst.
Ob es den Kreis Gleichgesinnter tatsächlich gab, der einmal im Monat nach reichlichem Mahl seinen Ausführungen folgte, bleibe dahingestellt. Jedenfalls war er bemüht, seine Gedanken zu ordnen und auf humorvolle Weise weiterzugeben, um so das Essen in den Rang der andern schönen Künste zu erheben.
Der Arzt
Antonius Anthus, mit bürgerlichem Namen Gustav Blumröder, wurde 1802 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Nürnberg geboren. Studium der Medizin. 1828 Armen- und Spitalarzt in Hersbruck. 1835 zum Gerichtsarzt nach Kirchenlamitz im Fichtelgebirge berufen.
Verschiedene wissenschaftliche und literarische Publikationen. 1848 zum Abgeordneten in die deutsche Reichsversammlung gewählt, wo er der gemässigten Linken angehörte und schliesslich dem Rumpfparlament nach Stuttgart folgte.
Im Gefängnis
Nachdem dieses gewaltsam auseinandergetrieben worden war, kehrte er nach Kirchenlamitz zurück, wo er 1849 auf Antrag der Augsburger Staatsanwaltschaft verhaftet wurde; vier Monate Haft. Gesuch um Urlaub, da seine Gesundheit Schaden genommen hatte; stattdessen 1850 seines Amtes enthoben. Anthus starb am 23. Dezember 1853 an Lungentuberkulose.
Sprecher: Peter Fitz - Radiobearbeitung: Alain Claude Sulzer - Regie: Stephan Heilmann - Produktion Schweizer Radio DRS, 1998

