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  • Zurück zum Dossier «Der Krieg in Georgien im August 2008»

Kaukasus-Konflikt: Eine Chronik zum Hören

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Georgien und Russland im August 2008 dauerten fünf Tage. Die politischen Spannungen aber liessen nicht nach, als die Waffen ruhten. Ein Überblick über die Ereignisse.

30.9.2009 Untersuchungsbericht übt scharfe Kritik
Gemäss einer unabhängigen Untersuchungskommission hat Georgien im August 2008 den Kaukasus-Krieg gegen Russland begonnen. Die georgische Regierung habe nicht beweisen können, dass sie nur auf eine Invasion Russlands in Südossetion reagiert habe.

Der Untersuchungsbericht der EU kritisiert aber auch Russland. Es habe nach dem Waffenstillstand noch Zerstörungen im Kriegsgebiet angerichtet, was nicht gerechtfertigt gewesen sei. Die Untersuchung wurde von der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini geleitet.

Hören: Die Fakten des Berichts. (Urs Bruderer)

Hören: Interview mit Heidi Tagliavini. (Urs Bruderer)
14.11.2008 EU-Russland-Gipfel in Nizza
Der russische Staatspräsident Dmitri Medwedew und führende Vertreter der EU kommen in Nizza zu einem Gipfeltreffen zusammen. Die Verhandlungen über ein europäisch-russisches Partnerschaftsabkommen sollen bald wieder aufgenommen werden. Die EU hatte die Gespräche nach dem russischen Einmarsch in Georgien aus Protest unterbrochen.

Hören: Differenzen in Georgien-Frage bleiben bestehen (Thomas Oberer)
22.10.2008 Geberkonferenz sammelt 4,5 Milliarden Dollar
Mit 4,5 Milliarden Dollar will die internationale Gemeinschaft Georgien nach dem Krieg mit Russland wieder auf die Beine helfen. Zu der Konferenz sind Vertreter aus mehr als 70 Ländern in Brüssel zusammengekommen. Nach Schätzungen von Experten braucht Georgien mindestens 3,5 Milliarden Dollar, um die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen und den Kriegsopfern zu helfen.
16.10.2008 EU begrüsst russischen Rückzug
Die EU-Staats- und Regierungschefs begrüssen den Rückzug der russischen Truppen aus den Pufferzonen in Kern-Georgien. Die Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland liegen aber weiter auf Eis.
8.10.2008 Rückzug Russlands aus Georgien
Die russischen Truppen ziehen sich vollständig aus den Sicherheitszonen um Abchasien und Südossetien und damit aus Kern-Georgien zurück. Dies wird von georgischer Seite bestätigt. Damit ist der von Russland und der EU ausgehandelte Abzugsplan vor der Frist erfüllt worden. Russland zieht sich jedoch nicht aus diesen Gebieten zurück, sondern kündigt an, dort eine «Friedenstruppe» von 7600 Soldaten zu stationieren.

Hören: Georgische Flüchtlinge leben in grosser Unsicherheit (Walter Kälin)
2.10.2008 Europarat verhängt keine Sanktionen gegen Russland
Die angedrohten Europarats-Sanktionen gegen Russland sind gescheitert. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats stimmt mehrheitlich gegen Forderungen aus Osteuropa und Skandinavien, die russischen Abgeordneten wegen des Georgien-Kriegs aus dem Gremium auszuschliessen.

Hören: Europarat verzichtet auf Sanktionen (Fredy Gsteiger)
1.10.2008 EU-Beobachter beziehen ihre Posten in Georgien
Nachdem Russland EU-Beobachter in Georgien akzeptiert hat, beziehen diese ihre Posten. Nun überwachen rund 350 Experten der EU in Georgien den Waffenstillstand und den russischen Truppenabzug.
15.9.2008 EU will Georgien finanziell helfen
Die EU kündigt an, Georgien bis zum Jahr 2010 mit 500 Millionen Euro beim Wiederaufbau zu unterstützen.
8.9.2008 Russland und EU einigen sich
Sarkozy und Medwedew bekräftigen den Sechs-Punkte-Plan vom 12. August. Sie legen einen Zeitplan für den russischen Abzug aus den «Pufferzonen» in Kern-Georgien fest und vereinbaren auch Details über den Einsatz der Beobachter.

Hören: Übereinkommen zwischen EU und Russland (Peter Gysling, Thomas Oberer)
1.9.2008 EU debattiert über Kaukasus-Konflikt
Die EU-Staats- und Regierungschefs verurteilen auf einem Sondergipfel Russlands Vorgehen und setzen die Verhandlungen über ein Partnerschaftsabkommen aus.

Hören: EU erhöht Druck auf Russland (Thomas Oberer, Peter Gysling)
27.8.2008 Weitere Schweizer Militärbeobachter nach Georgien
Der Bundesrat will sich stärker für die Friedenssicherung in Südossetien und Abchasien engagieren und schickt deshalb zusätzliche Militärbeobachter an die bereits bestehende OSZE-Mission.

Hören: Bundesrat schickt weitere Militärbeobachter (Ruedi Mäder)
26.8.2008 Russland anerkennt Südossetien als unabhängig
Russlands Präsident Dmitri Medwedew anerkennt die beiden georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien formell als unabhängig. Mit der Anerkennung durch Russland wird faktisch die Spaltung Georgiens besiegelt. Die russische Entscheidung wird scharf kritisiert.

Hören: «Lage in Georgien ist gespannt, aber nicht gefährlich» (Strategie-Experte Christoph Bertram)
21.8.2008 Russland legt Zusammenarbeit mit Nato auf Eis
Russland legt die militärische Zusammenarbeit mit der Nato bis auf weiteres auf Eis. Die Nato selbst hatte zwei Tage zuvor die Zusammenarbeit mit Russland auf der politischen Ebene, im Nato-Russland-Rat, eingestellt.

Hören: Russland überdenkt Zusammenarbeit (Joe Schelbert)
20.8.2008 IKRK trifft in Südossetien ein
Erste Helfer des IKRK treffen in der Krisenregion Südossetien ein. In Georgien sind zehntausende Menschen vor den Gefechten geflohen. Viele von ihnen leben unter prekären Bedingungen und sind auf Hilfe angewiesen. Bislang hatten die internationalen Hilfsorganisationen praktisch keinen Zugang ins Krisengebiet.

Hören: «Die Menschen sind von unserer Hilfe abhängig» (IKRK-Präsident Jakob Kellenberger)
19.8.2008 Unklarheit über russischen Truppenabzug
In scharfer Form fordern die Nato und die EU Russland zum sofortigen Truppenabzug aus Georgien auf.

Die OSZE beschliesst, zunächst 20 weitere Beobachter in einem «Gebiet in der Nachbarschaft von Südossetien» zu stationieren. Insgesamt soll die Zahl der Beobachter um 100 auf 300 erhöht werden.

Hören: Lage im Südkaukasus ist nach wie vor unübersichtlich (Joe Schelbert)
14.8.2008 Bush mahnt Moskau
US-Präsident George W. Bush verschärft seinen Ton gegenüber Russland erneut und fordert die Einstellung aller militärischen Operationen in Georgien. Bush warnt Moskau vor ernsthaften Auswirkungen auf das Verhältnis zum Westen.

Hören: Die USA stehen an der Seite Georgiens (Ruedi Mäder)
12.8.2008 Russland lässt Waffen ruhen
Kurz vor einem geplanten Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Moskau erklärt der russische Präsident Dmitri Medwedew den Militäreinsatz in Georgien als beendet. Das Ziel sei erreicht, der «georgische Aggressor» sei bestraft.

Hören: Russland stoppt Offensive im Kaukasus (Peter Gysling)
Nicolas Sarkozy als EU-Ratsvorsitzender vereinbart mit den Präsidenten Russlands und Georgiens, Dmitri Medwedew und Michail Saakaschwili, einen Sechs-Punkte-Plan. Er sieht eine Feuereinstellung, die Entsendung von EU-Beobachtern und den Rückzug der russischen Truppen auf die Positionen vor dem 7. August vor. Die EU-Aussenminister billigen einen Tag später den Plan.
10.8.2008 Vermittlung Europas beginnt
Frankreichs Aussenminister Bernard Kouchner als EU-Ratsvorsitzender und dessen finnischer Kollege Alexander Stubb für die OSZE bemühen sich um eine Feuerpause.

Hören: Krieg geht weiter (Joe Schelbert, Ruedi Mäder)
8.8.2008 Russland marschiert in Georgien ein
Russische Truppen drängen die georgischen Truppen zurück und besetzen grosse Teile Georgiens. Einen Tag später beginnen russische Luftangriffe auf Georgien.

Hören: Blutiger Krieg beginnt (Peter Gysling)
7.8.2008 Georgien marschiert in Südossetien ein
Georgische Truppen rücken in der abtrünnigen Region Südossetien ein und besetzen deren Hauptstadt Zchinwali.
3.12.1992 OSZE beginnt Beobachtermission
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beginnt eine bis heute andauernde Beobachtermission in Südossetien.


(Archiv SR DRS/Agenturen/acd)

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Stichwort: 6-Punkte-Plan der EU

Die EU hat mit Russland und Georgien im August 2008 ein Abkommen ausgehandelt, um den Kaukausus-Konflikt beizulegen. Beide Seiten stimmten sechs «Prinzipien» zu.

1. Die Konfliktparteien verzichten auf den Einsatz von Gewalt.

2. Die Feindlichkeiten sollen endgültig eingestellt werden.

3. Freien Zugang für die humanitäre Hilfe.

4. Georgien zieht sich auf seine gewöhnlichen Stationierungsgebiete zurück.

5. Russland muss sich auf die Linien vor Ausbruch der Feindlichkeiten zurückziehen. Die russischen Friedenskräfte sollen zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergreifen, bis ein internationaler Mechanismus vereinbart ist.

6. Auf internationaler Ebene sollen Gespräche über die Sicherheits- und Stabilisierungsmodalitäten in Abchasien und Südossetien eröffnet werden.

Der Krieg in Georgien im August 2008
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