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03.01.2011

Film-Tipp: Zurücklehnen und geniessen

Schon in «Happy-Go-Lucky» stellte der britische Regisseur Mike Leigh die Frage nach dem Glück. In «Another Year» zeigt er nun, wie ein glücklich gealtertes Ehepeaar zu einer Sonne in seinem kleinen Bekanntenkreis wird.

Lieben das Leben auch mit grauen Haaren: Tom und Gerri (Jim Broadbent, Ruth Sheen). (Pathé Films)

Mike Leigh hat seine Filme schon immer im Arbeiter- oder Mittelklassemilieu angesiedelt. Ihn interessieren Freud und Leid der Leute, zu denen er sich selber zugehörig fühlt. Auch in «Another Year» richtet er die Kamera auf die «kleinen Leute».

Indem der 67-Jährige das tut, gibt er ihnen ihre Grösse, ihre Würde. In dem Mittelpunkt stellt er diesmal ein ergrautes Ehepaar, das fast schon zu gut ist, um wahr zu sein. Tom (Jim Broadbent) ist Geologe und Gerri (Ruth Sheen) arbeitet im Gesundheitsamt.

Traum vom Glück
Die beiden scheinen in sich zu ruhen wie zwei Vorstadtbuddhas. Beide sind zufrieden mit ihren Jobs, haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem erwachsenen Sohn (Oliver Maltman) und lieben ihren Schrebergarten.

Was in dieser Verkürzung so bieder und banal klingt, ist in Wahrheit der real gewordene Traum vom Glück auf Erden. Zwei, die sich ihre kleine Welt so erschaffen haben, dass sie zufrieden ernten können, was sie gesät haben.

Menschliche Sonnen
Klingt langweilig, ist es aber nicht. Denn das Unglück dringt in Gestalt von Freunden und Verwandten in den Alltag des Paars. Alle sind willkommen und werden be- noch verurteilt, aber vielleicht einmal hinterfragt.

So macht der Film bewusst, wie viel humor- und verständnisvolle, herzensgute und gescheite Menschen anderen, die weniger glücklich sind, geben können. Jeder kennt solche menschlichen Sonnen und möchte sie nicht missen.

Beglückender Film
Mike Leigh setzt ihnen ein filmisches Denkmal, statt sie als Gutmenschen zu verunglimpfen, wie das heutzutage oft passiert. Allein schon dafür gebührte Leigh ein Preis, vor allem aber auch dafür, dass ihm tatsächlich ein beglückender Film gelungen ist.

Dass alles so natürlich und lebensnah wirkt, hängt mit Leighs Arbeitsmethode zusammen. Er bittet die Schauspieler: «Seid in meinem Film! Wir wissen nicht, worum es geht, wir wissen nicht, wer die Figuren sind, wir werden es zusammen rausfinden.»

Ohne Drehbuch
Die charismatische Hauptdarstellerin Ruth Sheen bestätigt dies: «Man probt am Morgen, man arbeitet die Szenen aus und dreht sie am Nachmittag, ohne jemals ein Drehbuch zu haben. Man muss immer hochkonzentriert sein.»

Das Resultat dieser unkonventionellen Methode ist ein sehr stimmiger und menschlicher Film, der quasi über das Sprichwort «Jeder ist seines Glückes Schmied» meditiert. Nebenbei ersetzt er das Jammern übers Alter und «Another Year» durch Dankbarkeit. (rb)

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Kritik zu «Another Year»
Hören (3:09)

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