Büchner-Preis geht an Reinhard Jirgl
Reinhard Jirgl an einer Lesung im August 2007. (dontworry)
Reinhard Jirgl habe in einem Romanwerk «von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet», heisst es in der Begründung.
Jirgl lasse historische Umbrüche aus verschiedensten Perspektiven gegenwärtig werden. Zuletzt etwa in den Romanen «Die Unvollendeten» und «Die Stille», welche die Stimmen der Vergessenen wieder hörbar machen.
Der Autor wuchs bei den Grosseltern in der Altmark im heutigen Sachsen-Anhalt auf. Schriftsteller wurde er erst über Umwege: Zunächst hatte er eine Lehre als Elektromechaniker gemacht und studierte später Elektronik an der Berliner Humboldt-Universität.
Durchbruch nach der Wende
Von 1975 an schrieb Jirgl, der zunächst als Ingenieur arbeitete, kontinuierlich. In der DDR brachte er es auf sechs unveröffentlichte Bücher. Seinen Unterhalt verdiente er sich zwischen 1978 und 1996 als Beleuchtungs- und Servicetechniker an der Berliner Volksbühne, ehe er sich als freier Schriftseller niederliess.
Nach der Wende erschien 1990 sein erstes Buch «Mutter Vater Roman» beim Aufbau-Verlag. Der Durchbruch gelang Jirgl 1993, als er für sein Manuskript des Romans «Abschied von den Feinden» den Alfred-Döblin-Preis erhielt und Autor des Carl Hanser Verlags wurde. Seither erscheinen seine Bücher in diesem Verlag.
Preisverleihung im Oktober
Der mit 40 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Er wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 23. Oktober in Darmstadt übergeben.
Der seit 1951 verliehene Literaturpreis ging bisher dreimal an Schweizer: 1958 an Max Frisch, 1986 an Friedrich Dürrenmatt und 1994 an Adolf Muschg.
(sda/dpa/gec)
