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28.06.2010

Film-Tipp: Wo die wahren Rebellen rocken

Was tut die Jugend eines Landes, wo Rockmusik verboten ist? Trotzdem abrocken. Bahman Ghobadi zeigt in seinem dokumentarischen Spielfilm «No One Knows About Persian Cats», wie iranische Rockbands heimlich proben und Untergrund-Konzerte organisieren.

Musik spielen ist im Iran fast so etwas wie ein Selbstmordkommando. (Frenetic)

Radio, CD-Player, iPod - wir können überall Musik hören und aus einem breiten Konzertangebot auswählen. Nicht so die Iraner. In der Islamischen Republik Iran ist Musik bis auf wenige Ausnahmen verboten. Und Frauen dürfen nur vor weiblichem Publikum singen.

Westliche Musik wie Rock, Pop und Hiphop sind den Behörden ein besonderer Dorn im Auge. Junge Leute, die solche Musik hören oder gar spielen, laufen ständig Gefahr, von Nachbarn an die Polizei verraten zu werden.

Repressives Klima
Es ist erstaunlich, was für vibrierende Musik in diesem repressiven Klima entsteht. Die jungen Leute proben in selbst gezimmerten Dachräumen, in verborgenen Katakomben und sogar in Kuhställen.

Negar und Ashkan haben jedoch genug vom ewigen Versteckspiel. Sie möchten vor grossem Publikum auftreten und träumen von Konzerten im Ausland. Die Pässe und Visa wollen sie bei einem Fälscher kaufen.

Traum von Live-Auftritten
Auf der Suche nach weiteren Musikern für ihre Auslandsreise fahren sie mit ihrem Freund Hamed durch ganz Teheran. So lernen sie - und mit ihnen die Zuschauer - alle möglichen Bands kennen.

An den Wänden der Übungsräume hängt die halbe Musikgeschichte: Poster von den Beatles, von Jim Morrison, Joy Division oder den Arctic Monkeys. Und ab und zu stellt der verärgerte Vater eines Musikers den Strom ab.

Sprengkraft der Rockmusik
Alltag in Teheran, wie wir ihn uns kaum vorstellen können. Die Stadtszenen, die bei den diversen Songeinlagen gezeigt werden, wirken wie von einem anderen Stern. Besser könnte man die Sprengkraft der Rockmusik im Iran nicht zeigen.

Der Filmtitel «No One Knows About Persian Cats» bezieht sich übrigens auf ein iranisches Gesetz, wonach Hunde und Katzen, die als unrein gelten, nicht ins Freie gebracht werden dürfen. Die Haustiere existieren also ebenso heimlich wie die Rockmusik.

Heimlich gedreht
Logisch, dass auch der Film heimlich gedreht werden musste. Zu diesem Zweck kaufte Regisseur Bahman Ghobadi extra eine leichte Digitalkamera. Damit realisierten er und sein Kameramann Turaj Aslani einen beeindruckend authentischen Film.

«No One Knows About Persian Cats», einer der besten Musikfilme der letzten Jahre, darf im Iran nicht vorgeführt werden. Wir hingegen können den Film sehen. Und das sollte man unbedingt tun. Denn er ist ein starkes Stück Kino, das man nicht so schnell wieder vergisst. (rb)

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
Hören (3:46)



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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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