Film-Tipp: Grantig wie Granit
Keine Chalet-Idylle, sondern raue Bergwelt: Bauer Paul (Olivier Rabourdin, links) mit Saisonnier Eusebio (Antonio Buil). (Frenetic)
Es fällt schwer zu glauben, dass diese zwei Menschen, die eine abgelegene Alp bewirtschaften, sich einst ineinander verliebt haben. Paul (Olivier Rabourdin) ist ein ruppiger Kerl, der fluchen, aber kaum reden kann. Rosine (Camille Japy) ist seine sensible, aber völlig verängstigte Frau.
Besonders irritierend wird das Ganze, wenn man sieht, wie fürsorglich Paul mit den Tieren umgeht. Seine eigene Frau vergewaltigt er jedoch nach Lust und Laune, ohne mit der Wimper zu zucken.
Hart wie Stein
Warum soll man sich so etwas im Kino ansehen? Weil nur die Geschichte schrecklich ist, der Film hingegen nicht. Selten stimmen Inhalt und Form so gut übereinander wie in «Coeur Animal».
Die raue Bergwelt mit ihren heftigen Unwettern sind das Abbild von Paul, die Schönheit und Fruchtbarkeit der Natur, die nicht nur im Sonnenschein aufblitzen, sind Rosines Gegenstück im Aussen.
Neue Lebensfreude
Alles könnte ewig so bleiben, unverrückbar wie die Berge, würde Rosine nicht krank. Um die Arbeit zu meistern muss Paul nun einen spanischen Saisonnier anstellen. Und Eusebio (Antonio Buil) bringt etwas südländische Lebensfreude auf die Alp.
Die Hoffnung des Zuschauers, es könnte sich nun alles bessern, wird herb enttäuscht. Denn als Paul sieht, dass seine Frau gut mit Eusebio auskommt, packt ihn die Eifersucht.
Archaische Bilder
Die Westschweizerin Séverine Cornamusaz hat einen archaischen Film im Stil von Bergfilmen wie «Höhenfeuer» oder «Derborence» gedreht. Das Faszinierende an ihrem Film ist, dass man für den brutalen Paul gegen Ende sogar so etwas wie Mitgefühl entwickelt.
Ist einmal aller Granit weggebrochen, der sein Herz verhärtet hat, zeigt sich ein tief verletzter Mensch, der als Kind vermutlich genauso behandelt wurde, wie er seine Frau behandelt. (rb)
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