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15.02.2010

Film-Tipp: Geistreicher Thriller

Man kann zu Roman Polanskis Vergangenheit stehen, wie man will, der Mann hat einige ganz tolle Filme gemacht. «Rosemary's Baby» (1968) hat den Horrorfilm neu definiert, «Chinatown» (1974) den guten alten Detektivfilm. Nun zeigt der 77-jährige Regisseur mit «The Ghost Writer» allen, wie ein moderner Polit-Thriller auszusehen hat.

Macht und Ohnmacht treffen aufeinander: Britischer Ex-Premier Adam Lang (Pierce Brosnan) und sein Ghostwriter (Ewan McGregor). (Pathé Films)

Roman Polanski darf die Schweiz nicht verlassen. Adam Lang, die Schlüsselfigur seines Thrillers «The Ghost Writer» darf die USA nicht verlassen. Polanski ist ein einflussreicher Filmemacher, Lang der ehemalige Premierminister Grossbritanniens. Macht und Ohnmacht treffen in ein und derselben Person aufeinander. Oder anders ausgedrückt: Jeder ist Gefangener seiner Vergangenheit.

Meist können moderne Staatschefs unter dem Deckmantel ihres Amtes die grössten Mauscheleien und Dummheiten begehen, ohne je dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Eine frustrierende Tatsache, die den Schriftsteller Robert Harris («Enigma») dazu bewog, den Roman «The Ghost» zu schreiben. Noch vor Veröffentlichung sandte er das Manuskript seinem Freund Polanski. Die beiden beschlossen, gemeinsam ein Drehbuch zu schreiben. Und man muss neidlos anerkennen, es ist blendend geraten.

Kampf gegen den Terror
Ein professioneller Ghostwriter (Ewan McGregor) soll aus den langweiligen Memoiren des früheren britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) ein markttaugliches Buch zimmern. Zu diesem Zweck reist er, der den ganzen Film über namenlos bleibt, auf eine Insel vor der US-Ostküste. Dort logieren Lang, seine Frau Ruth (Olivia Williams) und seine engste Mitarbeiterin (Kim Cattrall) mit diversen Security-Gorillas in der Strandvilla von Langs Buchverleger.

Was ein einfacher Job hätte werden sollen, entwickelt sich zu einem regelrechten Krimi. Lang wird nämlich vom ehemaligen Aussenminister angeschwärzt, unter dem Siegel des Kampfs gegen den Terror CIA-Folter unterstützt zu haben. Nun droht ihm, vor dem Internationalen Gerichtshof von Den Haag der Prozess gemacht zu werden. Während sich die Situation zuspitzt, entdeckt der Ghostwriter immer mehr Unstimmigkeiten in Langs Biografie und beginnt, Detektiv zu spielen.

Einer der besten Polanski-Filme
Das Resultat ist ein cleverer Polit-Thriller, der alles hat, was gute Kino-Unterhaltung ausmacht: Spannung, überraschende Wendungen, schwarzer Humor, eine intelligente Handlung und tolle Schauspieler. Olivia Williams überragt alle als undurchsichtige Gattin des Ex-Premiers. Pierce Brosnan darf als derselbe für einmal nicht nur smart sein, sondern zwischendurch auch richtig Gift und Galle speien. Und er macht das sehr überzeugend. Dazu gibt es einen (viel zu kurzen) Auftritt der 94-jährigen Hollywood-Legende Eli Wallach. Und wer Hauptdarsteller Ewan McGregor vorwirft, er wirke blass, hat nicht verstanden, welche Rolle der 38-jährige Brite zu spielen hat: die des Geists.

«The Ghost Writer» ist der beste Polanski-Film seit «Chinatown». Der Thriller ist so gut, dass man ihn gleich noch einmal sehen möchte. Um all die Details zu entdecken, die einem beim ersten Sehen entgangen sind.

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
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