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Dienstag, 2.2.2010

Hörpunkt: Luft von anderen Planeten

Andreas Müller-CreponEin lange gehegtes Projekt – einmal der Musik der letzten hundert Jahre einen ganzen Tag auf DRS 2 zu widmen. Nicht, dass vor lauter schrägen Tönen allen gleich die Haare zu Berge stehen sollen – aber immerhin: ein Schauder dem unerhört Neuen gegenüber soll durchaus erneut zu spüren sein!

Die Komponisten und Musikerinnen des 20. Jahrhunderts schufen ihre Werke nicht im luftleeren Raum. Sie waren, wie George Gershwins «American in Paris», umgeben von Autohupen und Motorenlärm, hörten Musik von Jazz bis Operette, von Swing bis Pop, Rock und Punk, sie lasen die Bücher ihrer Zeitgenossen, sahen Filme, hörten Radio, sahen fern, reisten weit usw.

Nicht zu vergessen die Umwälzungen, die das Jahrhundert prägten: Die beiden Weltkriege, das atomare Wettrüsten, Umweltkatastrophen, sowie technisch-industrielle Neuerungen wie z.B. die Raumfahrt.

«Ich fühle Luft von anderem Planeten» - in seinem 2. Streichquartett von 1907/08 vertont Arnold Schönberg einen prophetischen Vers. Tatsächlich weht in der Musik ein anderer Wind als je zuvor: Im 20. Jahrhundert jagen sich musikalische Innovationen und Revolutionen.

Nicht nur die E-Musik verändert ihr Gesicht fast mit jedem Jahrzehnt, sondern auch der Jazz. Die Unterhaltungsmusik hat ebenfalls immer wieder Neues bereit. Schallplatte, Tonband und CD, Radio und Fernsehen überraschen mit der Musik fremder Völker und Kulturen – die Lüfte von anderen Planeten wehen durch die Musik der Alten Welt.

«Luft von anderen Planeten» - der Hörpunkt vom 2. Februar 2010 führt im Schnellflug durch das 20. Jahrhundert, mit den Musikredaktorinnen und –Redaktoren von DRS2, mit O-Tönen von Komponisten und mit Studiogästen: Die Dirigentin Graziella Contratto, die Komponisten Daniel Fueter und Christoph Baumann werden aus ihrer Sicht all die verschiedenen, vielfältigen Musiken des 20. Jahrhunderts kommentieren.

Andreas Müller-Crepon


Ein Jahrhundert Musik im Bild (Diashow)
Ein Jahrhundert Musik im Bild
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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 09.06 Uhr

1910

Schönberg emanzipiert die Harmonik, Strawinsky den Rhythmus, Varèse den Klang, Ives erfindet die Collage. Aus der Musik der schwarzen Sklaven entstehen Blues und Ragtime, die Operette erlebt mit Lehar eine neue Blüte und das Grammophon trägt alles mit viel Rauschen in die Wohnstuben.


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 09.45 Uhr

1925

Die Komponisten der Wiener Schule schreiben Werke für die Ewigkeit und sichern sich mit der Zwölf-Tonmusik ab. Um sie herum entsteht viel «Zeitkunst» à la mode: Klassik mit «Negerjazz» und Zirkusmusik und Sirenen und Flugzeugpropeller. Ein Trompeter namens Louis Armstrong macht Furore, Kern und Hammerstein schreiben das erste klassische Musical, Bartok sammelt mit dem Phonographen «Bauernmusik».


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 10.20 Uhr

1940

Die Politik komponiert mit: Schostakowitsch gelobt der Partei mit seiner 5. Sinfonie ideologische Besserung, Messiaen schreibt sein «Quatuor» in einem Kriegsgefangenenlager. Jüdische und linke Komponisten finden sich mit Glück in den USA wieder, mit Unglück im KZ. Der Jazz wandelt sich zum Swing, und die Alte Musik erscheint mit Monteverdi erstmals auf der Schellackplatte.


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 11.03 Uhr

1955

In Darmstadt misten einige jugendliche Hitzköpfe mal so richtig den Laden aus: Boulez, Stockhausen, Nono. Ein Zen-angehauchter Westküstenkomponist namens Cage spielt etwas mit, breitenwirksam lancieren die USA Bernsteins «West Side Story», Presleys «RocknRoll» sowie Bebop und Hardbop, und Miles Davis revolutioniert den Jazz mit «Birth of the Cool».


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 12.00 Uhr

1970

Die Beatles sind schon am Ende, Bob Dylan beschert mal Hoch-, mal Tiefpunkte. J. Loussier und W. Swingle präsentieren Bach als Jazzer.  Ravi Shankar macht den Raga populär und der Film «2001» die Musik Ligetis.


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 13.00 Uhr

1970

Steve Reich und Arvo Pärt reizen die Avantgarde-Anhänger aufs Blut, Robert Moog schaltet den Synthesizer an, und Keith Jarrett spielt auf einem verstimmten Flügel sein «Köln Concert».


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 13.30 Uhr

1985

Boulez schreibt mit «Repons» das erste Meisterwerk der live-elektronischen Musik, Stockhausen dagegen eine siebentägige Oper «Licht». Punk, Rap und Disco schillern in hundert flüchtigen Varianten und die Volksmusik findet zu ihren Ursprüngen zurück.


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Hörpunkt: Luft von anderen Planeten vom Dienstag, 2.2.2010, 14.15 Uhr

2000

Die bunte, unübersichtliche Vielfalt der Gegenwart: Everything goes von Tan Duns «Hongkong Symphony» bis zu Cyrill Schläpfers «Urmusig», von Jazz aus Afrika bis zur E-Musik aus Indonesien.


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Bilder vom Hörpunkt: Luft von anderen Planeten.

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Hörpunkt-Gast: Christoph Baumann

Christoph Baumann (55) hat Ende der 1970er-Jahre die Jazzschule in Bern absolviert. Seine musikalische Bandbreite erweiterte er aber schon früh, auch die Improvisation gehört dazu. Dieses Fach unterrichtete er später am Konservatorium Zürich und war danach auch Mitorganisator von Fachtagungen dazu. Baumann komponierte auch für Film und Theater und verfasste drei Sprechopern. Heute ist er Professor für Jazzpiano und Improvisation in Luzern.

Hörpunkt-Gast: Graziella Contratto

Die Dirigentin Graziella Contratto begann ihre Karriere als Konzertpianistin und Kammermusikerin. 1991 liess sie sich zur Kapellmeisterin ausbilden. Ein paar Jahre später holte sie Claudio Abbado nach Berlin als musikalische Assistentin. 2000 übernahm Contratto Orchestre National de Lyon und ist seit einigen Jahren auch Intendantin des Davos Festivals Young Artists in Concert.

Hörpunkt-Gast: Daniel Fueter

Daniel Fueter (61) studierte Klavier am Konservatorium und der Musikhochschule Zürich. Seit 1973 unterrichtet er in verschiedenen Positionen. Er war unter anderem von 2003 bis 2007 Rektor der Hochschule Musik und Theater Zürich. Als Komponist schrieb er über 40 musiktheatralische Werke und Bühnenmusiken.

Immer am Zweiten im Zwei: Hörpunkt

Am 2. jedes Monats heisst's auf DRS 2: «Hörpunkt». Im Mittelpunkt steht ein einziges, grosses Thema. «Hörpunkt» ist der Kontrapunkt zum normalen Radioprogramm – überraschend, spannend, tiefgründig, witzig. Einen ganzen Radiotag lang.

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