Film-Tipp: Oscarreifer Colin Firth
Buddy-Holly-Brille und Bienenkorb-Frisur: Colin Firth als schwuler George und Julianne Moore als seine beste Freundin Charley. (Ascot Elite)
«An Englishman in Los Angeles.» Das ist der schwule College-Professor George Falconer (Colin Firth). Obwohl er 1962 nicht offen zu seiner sexuellen Orientierung stehen kann, ist er glücklich in seiner langjährigen Beziehung zu Jim (Matthew Goode). Doch dann kommt Jim bei einem Autounfall ums Leben. Plötzlich steht George allein da. Und dieses Leben als «single man» kommt ihm sinnlos und leer vor. Deshalb beschliesst er, sich umzubringen. Was das Kinopublikum zu sehen bekommt, ist quasi sein letzter Tag. Alles über seine Beziehung zu Jim wird in Rückblenden erzählt. Regisseur Tom Ford zeigt diese Erinnerungen in satten Farben, die Gegenwart hingegen blass und grau.
Die Grösse im Kleinen
An Georges letztem Tag passieren kleine, besondere Dinge. Zum Beispiel als er den Terrier einer Passantin streichelt und genussvoll dessen Fell beschnuppert, um festzustellen, dass der Hund wie frisch gebutterter Toast riecht. Oder die Begegnung mit seinem Nachbarsmädchen, das er zuvor als verwöhnte Göre betrachtete: Zum ersten Mal sieht er das Kind so, wie es wirklich ist. Und dann natürlich auch die zufällige Unterhaltung mit einem attraktiven Spanier, der wie James Dean aussieht. Während dieser speziellen Momente wechselt die Farbe des Films von tristem Graubraun zu sinnlichem Technicolor.
Die Rolle seines Lebens
Regisseur Tom Ford findet, Christopher Isherwoods Romanvorlage sei «unglaublich spirituell und handle in erster Linie vom Versuch, in der Gegenwart zu leben». Und offenbar wird dies für den College-Professor George erst durch radikales Loslassen möglich. Erst als er sein Leben aufgibt, findet er inneren Frieden, also ausgerechnet dann, als er diesen Zustand gar nicht mehr anstrebt. Für Colin Firth entpuppt sich George als die Rolle seines Lebens. Er hat schon diverse Preise und nun auch eine Oscarnomination dafür bekommen.
Stilsicher
«A Single Man» ist ein unglaublich dichter, stimmiger und stilsicherer Film. Jeder Gegenstand scheint das Lebensgefühl von George zu unterstreichen. Krawatten, Manschettenknöpfe, Wanduhren, Ständerlampen, Vorhänge, Möbel, Autos, Architektur - alles wirkt gediegen modern, aber auch einengend. Erst als George nacheinander zwei jungen Männern begegnet, die mit ihrer Kleidung und ihrem Auftreten wie eine Vorahnung der Swinging Sixties und der sexuellen Revolution daher kommen, wird diese Enge durchbrochen.
«A Single Man» ist ein rundum beglückendes Kino-Erlebnis. Ein heisser Anwärter auf den Titel «bester Film des Jahres».
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