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Mittwoch, 30.11.2011

International koordinierte Geldschwemme

In einer seltenen gemeinsamen Aktion stellen wichtige Zentralbanken den Banken schnelles und günstiges Geld zur Verfügung. Auch die SNB ist beteiligt. Was an den Börsen für ein Kursfeuerwerk sorgt, ist für Experten ein Hinweis auf den Ernst der Lage.

Notenbanken pumpen Geld in die Finanzmärkte. (Reuters)

«Einen Gang hochgeschaltet»

Was bedeutet das gemeinsame Eingreifen der wichtigen Notenbanken? Einschätzungen von Oliver Stock vom deutschen «Handelsblatt».

DRS 4 aktuell vom Mittwoch, 30.11.2011, 15.04 Uhr, DRS 4 News

Einschätzungen von Beat Soltermann aus den USA

In den USA sind die Reaktionen auf die gemeinsame Aktion der Notenbanken positiv. USA-Korrespondent Beat Soltermann fasst sie zusammen.

DRS 4 aktuell vom Mittwoch, 30.11.2011, 15.17 Uhr, DRS 4 News

Das gemeinsame Vorgehen mehrerer Zentralbanken hat an den wichtigen Börsenplätzen der Welt für Auftrieb gesorgt. Auch der Schweizer Leitindex SMI, der am Morgen noch tiefrot gestartet war, beendete den Tag mit einem dicken Plus. Er schloss auf Tageshoch mit plus 2,19 Prozent bei 5652,31 Punkten. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) gewann 2,29 Prozent auf 5131,31.

Auch andere wichtige Indices legten nach dem Entscheid zu. Der deutsche Leitindex Dax schoss erstmals seit Mitte November über die Marke von 6000 Zählern und beendete den Handel mit einem Plus von fünf Prozent bei 6088 Punkten. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Europa 3,6 Prozent höher bei 11'966 Punkten.

Seltene gemeinsame Aktion
Die wichtigsten Notenbanken der Welt hatten zuvor eine seltene konzertierte Aktion bekanntgegeben. Wie in den schlimmsten Tagen der Finanzkrise stellen sie den Finanzmärkten mehr Geld zur Verfügung. Damit sollten die Spannungen an den Märkten reduziert und auch die Realwirtschaft unterstützt werden, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken.

An der Aktion ist auch die Schweizerische Notenbank beteiligt. Mit dabei sind ausserdem Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans und Grossbritanniens.

Europas Banken kommen leichter an Dollar
Konkret verständigten sich die Zentralbanken darauf, die Kosten so genannter Dollar-«Swaps» ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren. Die Notenbanken wollen den Geschäftsbanken zudem bis auf weiteres über Auktionen für drei Monate Geld leihen. Um für einen Notfall gewappnet zu sein, vereinbarten die Zentralbanken zudem Tauschgeschäfte, um jederzeit die von Banken benötigte Währung bereitstellen zu können.

Bei den Dollar-Tauschgeschäften - englisch: «Swaps» - geht es darum, anderen Notenbanken Finanzmittel in US-Dollar bereitzustellen. Für solche Geschäfte haben die beteiligten Zentralbanken nun die Zinsen gesenkt.

Damit dürfte es für europäische Banken leichter werden, an Dollar zu kommen. Die Banken hätten zuletzt immer grössere Schwierigkeiten gehabt, sich in Dollar zu refinanzieren, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite häufig nicht mehr als Sicherheit akzeptiert worden seien, sagte der deutsche Volkswirt Klaus Adam der Nachrichtenagentur dpa. Nach seiner Einschätzung versprechen sich die Amerikaner von dem Schritt eine Stabilisierung der europäischen Banken.

«Alarmzeichen»
Die ungewöhnliche Aktion - eine pychologisch wichtige Massnahme - darf zugleich als ein Hinweis auf den Ernst der Lage gelten. «Es ist ein Zeichen, dass es an den Märkten und zwischen den Banken sehr kritisch aussieht», so Oliver Stock vom deutschen «Handelsblatt» gegenüber Schweizer Radio DRS.

Es gebe offenbar derzeit keine andere Möglichkeit, als über die Notenbanken einzugreifen. «Man sieht, dass die wichtigste Währung der Welt - der Dollar - nicht vernünftig in den Umlauf gelangt ist, dass die Banken ihn bunkern und sich gegenseitig nichts leihen», so Stocks Einschätzung. Die Zentralbanken würden nun weiteren «Schmierstoff» in den Umlauf pumpen und es einfacher und billiger machten, sich gegenseitig Dollar zu leihen. «Und wenn man so etwas tut, macht man das nicht ganz freiwillig - und das ist schon ein Alarmzeichen.» (ank, dpa/reuters/sda)

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Einschätzungen von Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler. (Philipp Scholkmann, 30.11.2011)
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