In der Schweiz wohnhafter Mafioso in Italien verhaftet
In Genua ist ein 54-jähriger Mann verhaftet worden, dem die italienische Polizei vorwirft, in Frauenfeld TG eine Mafiazelle angeführt zu haben. Der mutmassliche Mafioso soll der kalabresischen Organisation N'drangheta angehören.
Vermittler bei Streit innerhalb der N'drangheta
Der Mann wurde von den Carabinieri verhaftet, als er sich am Freitagnachmittag im Hafen von Genua aufhielt. Oberstleutnant Carlo Pieroni der Carabinieri bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA eine entsprechende Meldung der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
Zur Verhaftung führte die Tatsache, dass der Mann ein Motorrad-Freak ist. Das wussten die Anti-Mafia-Ermittler in Reggio Calabria und so überprüften sie monatelang sämtliche Motorrad-Treffs in Italien. Und siehe da: Für dieses Wochenende hatte sich der Gesuchte für ein Treffen auf Sardinien eingeschrieben, per Internet und sogar ein Foto von sich und seinem Motorrad hochgeladen. Als er am Freitag in Genua das Schiff nach Sardinien besteigen wollte, verhafteten ihn die Carabinieri.
Nach Darstellung der italienischen Polizei stand der Verhaftete an der Spitze eines N'drangheta-Ablegers im Thurgau und kümmerte sich um den Informationsfluss zwischen seiner Sektion und zwei weiteren in Singen und Radolfzell (beide Baden-Württemberg). Zudem sei er als Vermittler eingesetzt worden, um bei Streitigkeiten zwischen seinem Ableger und jenen in Süddeutschland zu schlichten.
Seit März im Visier der Mafia-Ermittler
«Dieser Mann ist so mächtig und gut geschützt, dass er sich trotz eines Haftbefehls frei bewegt hat» sagte Pieroni. Als er sich jedoch in Genua auf eine Fähre nach Sardinien begeben wollte, schlugen die Carabinieri zu.
Die italienischen Ermittler waren seit Anfang März auf der Spur des 54-Jährigen. Am 8. März waren im Rahmen einer Anti-Mafia-Razzia in Italien, Deutschland, Kanada und Australien Dutzende mutmassliche N'drangheta-Mitglieder festgenommen worden.
Kapo: Keine Hinweise im Thurgau
Die Schweiz hatte im Rahmen dieser internationalen Aktion ebenfalls ein Fahndungsersuchen erhalten. Das Bundesamt für Justiz (BJ) hatte die Verhaftung des nun gefassten Mannes aber abgelehnt. Im Fahndungsersuchen sei der Sachverhalt zu knapp dargelegt, hatte BJ-Sprecher Folco Galli dies damals begründet. Eine Überprüfung der Strafbarkeit sei nicht möglich.
Bei der Thurgauer Kantonspolizei hiess es am Sonntag auf Anfrage, sie verfüge über keine Hinweise auf Organisationen mit mafiösen Strukturen im Kanton. Der verhaftete Mann sei - entgegen der Angaben der italienischen Seite - auch nicht in Frauenfeld oder im Kanton Thurgau wohnhaft. (pet, agom, sda)
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