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18.04.2011

Film-Tipp: Im Feuer der Rache

Der Kanadier Denis Villeneuve verfilmt das Theaterstück «Verbrennungen» des Libanesen Wajdi Mouawad unter dem Titel «Incendies» («Brände») und holt damit diverse Preise  - und eine Nomination für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film. Grossartig, aber nicht für Zartbesaitete.

Nawal (Lubna Azabal) ist nur knapp einem Massaker entronnen. (Filmcoopi)

Filmbären: Die Bewertung

6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut;
3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Bär

Dem letzten Willen ihrer Mutter Nawal Merwan (Lubna Azabal) zufolge sollen die Zwillinge Jeanne (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simon (Maxim Gaudette) in den Nahen Osten reisen und dort je einen Briefumschlag ihrem Vater und ihrem Bruder überreichen. Von Letzterem wussten die beiden bisher nichts.

Da Simon sich vorerst weigert, den Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen, tritt Jeanne die Reise allein an. Ihre Spurensuche dient dem Film als Anlass, Nawals Vergangenheit zu erzählen.

Opfer und Täter
So entsteht das Bild eines nicht näher bestimmten Landes, wo sich die Männer unterschiedlicher Glaubensrichtungen bekriegen. Mitten drin steht die Christin Nawal und muss mit ansehen, dass ausgerechnet ihre Glaubensbrüder die schlimmsten Greueltaten vollbringen.

Die Rahmenhandlung lässt erahnen, dass Nawal dem ganzen Irrsinn irgendwann entfliehen und nach Kanada auswandern konnte. Aber bis es so weit war, musste Nawal zuerst vom Opfer zur Täterin werden.

Die Frau, die singt
Um im Gefängnis nicht gebrochen zu werden, sang Nawal. So wurde sie als «die Frau, die singt» zur Legende, von der die Menschen in der Region noch heute reden. Aber, wie Jeanne und schliesslich auch der nachgereiste Simon merken, wird «die Frau, die singt» nicht nur verehrt.

Die Schlusswendung von «Incendies» mag etwas gar dick aufgetragen sein, dennoch überzeugt Denis Villeneuves Film als mutiger Blick auf den Krisenherd im Nahen Osten. Und er zeigt, was letztlich nötig wäre, um den Teufelskreis der Rache zu durchbrechen: die Grösse, vergeben zu können, und der Wille, alle Menschen als Brüder und Schwestern zu behandeln.

Wuchtiger Film
«Incendies» enthält fast dokumentarische Szenen, in denen gezeigt wird, wie die fremden Jeanne und Simon den Kontakt zu den Einheimischen herstellen. So erfährt man fast beiläufig etwas über Sitten und Gebräuche der Region.

Alle Schauspieler agieren stark und überzeugend, die Inszenierung wirkt bisweilen jedoch etwas überdramatisiert. Da wäre weniger mehr gewesen, aber alles in allem ist «Incendies» ein eindrückliches, wuchtiges Kinostück. (rb)

Filmbären:
6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut; 3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Hund

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
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