Film-Tipp: Vom Bond-Bösewicht zum Bäcker
Rikard Rheinwald (Jesper Christensen) möchte, dass seine älteste Tochter Ditte (Lena Maria Christensen, rechts) die Familienbäckerei übernimmt. (Ascot Elite)
Als alter Patron der Kopenhagener Bäckerei Rheinwald spielt Jesper Christensen in «En Familie» so intensiv, dass seine Leinwandpräsenz einen tiefer in den Kinosessel drückt als jede Explosion der beiden Bond-Filme, in denen er 2006 und 2008 mitwirkte.
Seine Figur Rikard Rheinwald ist ein Patriarch, der gewohnt ist, Kontrolle auszuüben. Gleichzeitig ist er durchaus ein Geniesser und ein liebender Familienvater. Aber als der nahende Tod ihm die Kontrolle zu entziehen droht, schlägt und beisst er um sich wie ein verwundeter Wolf.
Dänische Bäckerdynastie
Als Rikard einsieht, dass er den Krebs nicht besiegen kann, bittet er seine Tochter Ditte (Lena Maria Christensen), die Bäckerei, die sogar das dänische Königshaus beliefert, weiterzuführen. Er bittet sie, obwohl er weiss, dass sie gerade ein tolles Jobangebot einer New Yorker Galerie erhalten hat.
Was er jedoch nicht weiss, ist, dass Ditte soeben ihr erstes Kind abgetrieben hat, um mit ihrem Mann (Pilou Asbaek), einem Künstler, nach New York auszuwandern und sich voll und ganz auf die Arbeit dort zu konzentrieren.
Entscheidungen stellen Weichen
Der Konflikt ist vorprogrammiert. Opfert Ditte ihren Traum, für den sie selber ihre Mutterschaft opferte, um den letzten Wunsch ihres sterbenden Vaters zu erfüllen? Gibt es in dieser Situation überhaupt eine richtige Entscheidung?
In «En Familie» demonstriert Regisseurin Pernille Fischer Christensen auf höchstem Niveau, was den Menschen wirklich ausmacht: nicht in erster Linie seine Familie oder seine Arbeit, sondern die Entscheidungen, die er fällt.
Sinnliche Bilder
Nebenbei feiert die dänische Filmemacherin während 100 Filmminuten die schönen Seiten des Lebens in so sinnlichen Bildern, dass man zwischendurch sogar meint, das frische Brot zu riechen. Sie zeigt aber auch, all das Schöne muss einmal enden.
Das Sterben von Rikard Rheinwald ist ganz und gar nicht schön, aber schön ist, dass er dabei nicht allein ist. Die ganze Familie steht ihm zur Seite. Niemand schaut weg, so schmerzvoll es auch ist. Insofern hat die Szene sogar etwas Tröstliches. (rb)
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