Film-Tipp: Bomben-Stimmung in der Schweizer Armee
Urs Rappold (Klaus Maria Brandauer, links), Spezialagent der Bundespolizei, erhält von Dr. Harry Wind (Sebastian Koch) kompromittierende Fotos zugespielt. (Ascot Elite)
Der Spielfilm beruht zwar auf einer fiktiven Geschichte, Tatsachen sind aber, dass die Pläne für Atomwaffen von der Schweizer Armee erst 1988 aufgegeben und bis 1989 über 600ʼ000 Einwohner vom Schweizer Staatsschutz überwacht wurden.
Der Film setzt 1956 mitten im Kalten Krieg ein. Urs Rappold (Klaus Maria Brandauer), Spezialagent der Bundespolizei, erhält von Dr. Harry Wind (Sebastian Koch), Major und PR-Berater der Armee, kompromittierende Fotos zugespielt.
Darauf sieht man, wie der Journalist Werner Eiselin (Markus Merz) auf dem Roten Platz vom russischen Verbindungsoffizier Rutschenko (Urs Jucker) einen Umschlag annimmt. Rappolds Ermittlungen in dem Fall enden in einer Katastrophe.
Spion oder nicht?
Schliesslich wird der Agent gezwungen, Wind selber zu verhaften, weil dieser gefilmt wurde, wie er Rutschenko einen Umschlag übergab, zwei Tage bevor die russische Zeitung «Prada» das Schweizer Atomprogramm publik machte.
Alles deutet daraufhin, dass Wind ebenfalls ein Spion ist. Doch Fotos und Filme können missdeutet werden. Je länger Rappold ermittelt, desto grössere Zweifel kommen ihm. Aber was haben die Fotos und Filme dann zu bedeuten?
Staraufgebot
«Manipulation» ist eine mitreissende Studie über die Mechanismen von Public Relations in der Politik. Dass der Schweizer Regisseur Pascal Verdosci den Film nicht in Dialekt, sondern in Hochdeutsch gedreht hat, dürfte angesichts des Staraufgebots niemanden stören.
Der Österreicher Klaus Maria Brandauer glänzt als Rollstuhl fahrender Ermittler Rappold, während der Deutsche Sebastian Koch dem gewieften Harry Wind die passende Nonchalance verleiht. Die beiden Topstars des deutschsprachigen Kinos treten erstmals gemeinsam auf.
In Zürich gedreht
Die zurückhaltende Inszenierung unterstreicht die heimlichen Mauscheleien des Schweizer Staatsschutzes. Und die stark ausgebleichten Farben passen zum 50er-Jahre-Mief. Die hervorragende Ausstatung überzeugt bis ins kleinste Detail.
Der hauptsächlich in Zürich gedrehte Polit-Thriller «Manipulation» ist kein Spektakel à la «The Bourne Identity», aber ein spannend sezierender Blick auf ein düsteres Kapitel Schweizer Geschichte. Ein Muss für jeden politisch interessierten Kinogänger. (rb)
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