Film-Tipp: Schauspieler vs. Effekte
Cooler als jeder reale Flitzer: Digitale Motorräder fahren Rennen auf mehreren Rasterebenen. (Walt Disney)
Die Handlung von Joseph Kosinskis spektakulärem Regiedebüt «Tron: Legacy» ist eigentlich nebensächlich. Die Storyline vom Sohn (Garrett Hedlund), der seinen verschwundenen Papa (Jeff Bridges) sucht, ist ebenso hanebüchen wie jene von personifizierten Computerprogrammen.
Je nachdem, ob sie gut oder böse sind, tragen die Programme in Menschengestalt Anzüge mit blauen oder orangen Leuchtstreifen. Dass die verschiedenen Programme einander bekämpfen, ist in einer Welt von Computerviren, Bugs und Trojanern noch nachvollziehbar, warum diese Programme aber Unterhaltungsbedürfnisse wie Menschen haben, indes nicht.
Ah! Oh! Wow!
Im Computerinnern gibt es futuristische Gladiatorenkämpfe in Form von tödlichen Töffrennen und Partys, bei denen Daft Punk als behelmte DJs auftreten. Alles nur, um Bits und Bytes zu unterhalten. Besser, man hinterfragt die Story nicht allzu sehr, sondern setzt sich einfach ins Kino, um die tollen Bilder zu geniessen.
Wer das tut, kommt voll auf seine Kosten. Ein Wow-Moment jagt nämlich den nächsten. Look und Design des Films überzeugen bis ins kleinste Detail. Die Weiterentwicklung des visionären Originals von 1982 ist stimmig und gelungen.
Künstlich und kühl
Am bemerkenswertesten sind allerdings nicht neue Spezialeffekte in der Rasterwelt von «Tron», sondern die Tatsache, dass Jeff Bridges der erste Schauspieler der Filmgeschichte ist, der an der Seite einer jüngeren Ausgabe von sich selber auftritt.
Dem bösen Programm Clu, dem totalitären Diktator quasi, wurde nämlich mittels Computeranimation das Aussehen von Bridges in den 80er Jahren verliehen. Dass Clu etwas künstlich und kühl wirkt, passt zur diabolischen Rolle.
Visuell hammermässig
«Tron: Legacy» ist ein Muss für alle, die im Kino gern über Effekte staunen, für alle, die Sciencefiction und modernes Design lieben, sowie für alle Computerfreaks. Und natürlich für die Fans von Jeff Bridges. 3D-Fans hingegen könnten enttäuscht sein.
Der 3D-Effekt wirkt in der künstlichen Rasterwelt aus Lichtstreifen nie so eindrücklich wie etwa bei «Avatar» oder «How to Train Your Dragon». Doch die «Tron»-Welt ist visuell schon so hammermässig, dass sie den 3D-Effekt gar nicht nötig hat. (rb)
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