Film-Tipp: «Facebook Me!»
Facebook-Chef und Napster-Gründer an einem Tisch: Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) und Sean Parker (Justin Timberlake). (Walt Disney)
Er heisst Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg), wirkt aber nicht süss, sondern eher wie Essig- oder Salzsäure. Der Harvard-Student ist schlagfertiger als Harald Schmidt und stellt Studenten, Professoren und Investoren gleichermassen bloss.
Aus Frust darüber, dass ihn seine Freundin verlassen hat, kreiert er 2003 in einer Nacht- und Nebelaktion die Website facemash.com, indem er sich in die Datenbank der Harvard-Uni hackt, um Studentinnen-Fotos von den Usern bewerten zu lassen.
Blitzgescheiter Nerd
Nicht dass eine so billige Racheaktion eines Einzelnen Erfolg hatte und den Harvard-Server zusammenbrechen liess, verblüfft, sondern die Tatsache, dass das heutige Facebook letztlich auf das verletzte Ego eines blitzgescheiten Nerds zurückgeht.
Grossartig ist, wie der Film das Publikum an der Entstehung von Facebook teilnehmen lässt. Zufälle waren dabei offenbar genauso wichtig wie Zuckerbergs Genie und Unverfrorenheit, die ihm am Ende millionenschwere Prozesse eingebracht hat.
Dialogkino vom Feinsten
Für einen Film, bei dem zwei Stunden lang ununterbrochen geredet wird und der trotzdem spannender als mancher Krimi ist, muss eine neue Genre-Bezeichnung her: «The Social Network» ist ein «Talk Thriller».
Aaron Sorkins umwerfendes Drehbuch und David Finchers stimmige Inszenierung zwischen Reality-TV und Hochglanz-Kino machen «The Social Network» zu einem heissen Oscaranwärter.
Glänzende Schauspieler
Nebenbei ist «The Social Network» ein faszinierendes Generationenporträt der Nuller Jahre und eine bissige Studie des US-Hochschulmilieus. Wie der Film superreiche Elite-Studenten vorführt, ist Ironie auf höchstem Niveau.
Jesse Eisenberg als Facebook-Mastermind und Schnellredner Mark Zuckerberg und Justin Timberlake als blasierter Napster-Gründer Sean Parker liefern die schauspielerischen Highlights dazu. Unbedingt die Originalversion schauen!
Der reale Mark Zuckerberg
Der reale Mark Zuckerberg erscheint ein Spur sympathischer als die Filmfigur, wie dieses Interview beweist. Das liegt hauptsächlich an seiner Stimme, die wärmer ist als jene des Schauspielers Jesse Eisenberg. Und so schnell redet er gar nicht.
Allerdings wirkt der 26-jährige Zuckerberg unnahbar und ständig auf der Hut. Zudem macht sein ungewöhnlich seltenes Blinzeln einen kühlen Eindruck. Doch nichts davon hinderte ihn daran, der jüngste Multimilliardär der Welt zu werden. Mehr zum realen Zuckerberg. (rb)
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