Film-Tipp: Fürsorger sorgt für Geldsorgen
Roeland Wiesnekker als Hochstapler und Verwandlungskünstler. (Filmcoopi)
Er habe Dr. Moser, dem Finanzchef der Ciba-Geigy, nach einem Autounfall in alkoholisiertem Zustand aus der Klemme geholfen, erklärt der Fürsorger Hans-Peter Stalder mit treuem Hundeblick. Zum Dank habe ihm dieser einen Geheimcode anvertraut, den nur ganz wenige Superreiche besässen, einen Code, mit dem man sein Geld anlegen und eine Rendite von 40 Prozent oder mehr herausschlagen könne. Natürlich ist die Geschichte frei erfunden. Aber viele Schweizerinnen und Schweizer lassen sich von der Aussicht auf so hohe Gewinne verleiten, dem Fürsorger ihr Geld anzuvertrauen. Bis sie merken, dass sie übers Ohr gehauen wurden, ist es schon zu spät.
Das ist keine unrealistische Filmstory, sondern die wahre Lebensgeschichte von Hans-Peter Streit (so heisst der Fürsorger wirklich). Die Lebensbeichte erschien 1994 als Buch mit dem Titel «Ich, der Millionenbetrüger Dr. Alder». Zum Filmstart wird das Buch unter dem Titel «Der Fürsorger» neu aufgelegt. Insgesamt 11 Millionen Franken hat Streit in Lengnau und Adelboden erschwindelt, bis er 1988 aufflog und zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zwei Drittel davon musste er absitzen. Genug Zeit, ein Buch zu schreiben, das nun als Grundlage für Lutz Konermanns Film diente.
Dank dem grossartig aufspielenden Roeland Wiesnekker und dem stimmigen Drehbuch funktioniert der Film bestens. Mit schrecklichen Perücken und noch schrecklicheren Kleidern spielt Wiesnekker genussvoll diesen Hochstapler und Verführer. Und da der Fürsorger auch als Erzähler fungiert, stilisiert er sich sogar zu einer Art Schweizer Robin Hood. Held oder Schlitzohr? Oder gar beides? Das kann im Kino jeder für sich entscheiden. Ein Entscheidungsprozess, der rundum Spass macht.
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