Berlin feierte den Mauerfall
Hunderte Dominosteine aus Styropor symbolisierten 20 Jahre nach dem 9. November 1989 noch einmal den Fall der Mauer. Die Feiern in Berlin endeten mit einem grossen Feuerwerk. (Keystone)
Erinnern an eine denkwürdige Nacht
Der 20. Jahrestag des Mauerfalls ist auch im Ausland feierlich begangen worden. In Warschau nahmen rund 200 Menschen an einem Sketch teil, bei dem fünf grosse Plastiknachbildungen von Berliner Mauersegmenten umgestossen wurden.
Mit einer Trabi-Parade rings um die deutsche Botschaft in Den Haag feierten die Niederländer den Jahrestag des Mauerfalls. In London schmolz symbolisch eine Mauer aus Eis. In Rom wurde mit einem originalen Mauerteil und einer Multimedia-Show auf der Spanischen Treppe des Mauerfalls gedacht.
Der rumänische Präsident Traian Basescu nutzte den Jahrestag, um an die Opfer der Wende in seiner Heimat zu erinnern. Dem Mauerfall folgte in Rumänien schon bald eine Revolution gegen das Ceausecsu-Regime. Etwa 1100 Menschen wurden dabei getötet. Der Aufstand führte zum Sturz und zur Hinrichtung des langjährigen Machthabers Nicolae Ceausescu. (cdm, ap/dpa/sda)
Zehntausende Menschen haben den 20. Jahrestag des Mauerfalls mit einem rauschenden Freiheitsfest am Brandenburger Tor in Berlin gefeiert. Unter den Ehrengästen waren mehr als 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, mehrere Friedensnobelpreisträger und zahlreiche ehemalige Bürgerrechtler.
Mauerfall als Verpflichtung
Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte den 9. November 1989 als einen der «glücklichsten Tage» in der jüngeren deutschen Geschichte und «einen der glücklichsten Momente meines Lebens». Sie bezeichnete den Mauerfall als Verpflichtung für das 21. Jahrhundert.
«Freiheit entsteht nicht von selbst. Freiheit muss erkämpft werden», sagte Merkel. «Wir haben es in der Hand, auch die Grenzen unserer Zeit zu überwinden, so wie uns das 1989 hier in dieser geteilten Stadt gelungen ist.»
Symbolischer Mauerfall
Auch die Staats- und Regierungschef Frankreichs, Grossbritanniens und Russlands sowie US-Aussenministerin Hillary Clinton ergriffen das Wort. US-Präsident Barack Obama wurde per Videobotschaft zugeschaltet.
Höhepunkt der Feier war ein symbolischer Mauerfall: Rund 1000 bemalte übermannsgrosse Domino-Steine aus Kunststoff, die den Mauerverlauf zwischen Reichstag und Potsdamer Platz nachbildeten, wurden umgestossen.
Den ersten Stein brachten der Mitbegründer der Gewerkschaft Solidarnosc in Polen, Lech Walesa, und Ungarns Ex-Premier Miklos Nemeth zu Fall. Damit wurde ihre Rolle bei der Maueröffnung gewürdigt.
An der Bornholmer Strasse
Den ganzen Montag über fanden in der Hauptstadt Andachten, Aktionen und Empfänge statt. Am Nachmittag überquerte Merkel zusammen mit dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschew und dem ehemaligen polnischen Gewerkschaftsführer und Staatschef Lech Walesa die so genannte Bösebrücke an der Bornholmer Strasse in Berlin. Der Fall der Dominosteine erinnerte an die Kettenreaktion, die die Berliner Grenzöffnung 1989 auslöste.
Der frühere Grenzkontrollpunkt an der Bornholmer Strasse war am Abend des 9. November 1989 der erste, über den die Menschen aus Ost-Berlin in den Westen gelangten.
Merkels persönliche Erinnerung
Zum Mauerfall-Jubiläum kamen auch viele frühere Bürgerrechtler an den symbolträchtigen Ort - unter ihnen der langjährige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, seine Nachfolgerin Marianne Birthler und der Sänger Wolf Biermann. Alt-Kanzler Kohl nahm an den Feierlichkeiten nicht teil; er leidet noch immer an den Folgen eines Sturzes.
Merkel selbst verbindet mit der früheren Grenzbrücke zwischen den Berliner Bezirken Prenzlauer Berg im Osten und Wedding im Westen persönliche Erinnerungen. Auch die Kanzlerin war an jenem denkwürdigen Abend vor 20 Jahren über diesen Grenzübergang erstmals in den Westteil der Stadt gegangen.
Begonnen hatten die Feiern zum Jahrestag am Montagmorgen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gethsemanekirche, an dem neben Merkel auch Bundespräsident Horst Köhler teilnahm.
Erinnern auch an den 9. November 1938
Bundespräsident Köhler würdigte den 9. November 1989 als einen «Tag der Freude», gleichzeitig aber auch an die Pogrome gegen die deutschen Juden erinnert, die am 9. November 1938 begonnen hatten.
«Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 sind miteinander verbunden», betonte Köhler. Die Teilung konnte nach seinen Worten auch deshalb überwunden werden, weil die Deutschen «die nötigen Lehren aus unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 gezogen haben». Darum habe die Welt Deutschland 1989 vertraut.
DDR öffnet die Grenzen
Mehr als 50 Jahre später wurde am 9. November dann noch einmal Geschichte geschrieben. 1989 verkündete der damalige SED-Funktionär Günter Schabowski in einer Pressekonferenz fast beiläufig die Öffnung der DDR-Grenze. (ank/acd, dpa/sda/afp)
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