Die Bohème im Hochhaus begeistert
Mimi (Maya Boog) und Rodolfo (Saimir Pirgu) unter den Zuschauern. (SF)
Die Live-Operninszenierung der Oper «La Bohème» von Giacomo Puccini begeisterte sowohl die Zuschauer am TV als auch jene vor Ort. Gespielt wurde in der Waschküche, einem Malatelier und Privatwohnungen eines Hochhauses im Berner Stadtquartier Gäbelbach. Die Inszenierung habe die Menschen begeistert, sagte Karin Koblet vom Regionaljournal Bern Freiburg Wallis.
Lange Kamerafahrten durch die Wohnungen und der Hausfassade entlang zeigten deutlich die beengenden Verhältnisse, in denen die Hauptfiguren leben. Ein Kontrast dazu bildete das nahe gelegene, vom Star-Architekten Daniel Libeskind entworfene Luxus-Einkaufszentrum Westside, wo mehrere Szenen spielten. Deutlich wurde dies etwa, als der stets von Geldnöten geplagte Rodolfo seiner Mimi auf dem Weihnachtsmarkt Schmuck kaufen sollte.
Fussballspiel mit Statisten
Im Konsumtempel mischten sich die Sängerinnen und Sänger auch unter die Zaungäste. Lediglich durch ihre Kostüme, die zeitlich nicht ins Umfeld passen, stachen die Hauptfiguren noch aus der Menge hervor. Mehrfach traten Gäbelbach-Bewohner als Statisten in Aktion und wiesen den Figuren den Weg oder spielten mit ihnen Fussball.
Herzzerreissende Liebesduette
Von Anja Horst rührend und sorgfältig inszeniert waren die Liebesduette zwischen Mimi (Maya Boog) und Rodolfo (Saimir Pirgu), stürmisch und farbenfroh das Geplänkel zwischen Marcello (Robin Adams) und Musetta (Eva Liebau), die allesamt auch musikalisch und darstellerisch überzeugten.
Finale im Bus
Das Berner Symphonieorchester gab sich unter der Leitung des Chefdirigenten Srboljub Dinic ebenso wenig eine Blösse. Das Publikum dankte es den Künstlern mit wohlverdientem Applaus. Ergriffen verfolgte es insbesondere das starke Finale, in welchem die verstorbene Mimi in einem Bus mit der Aufschrift Endstation davongefahren wird.
Technische Meisterleistung
Eine Meisterleistung vollbrachten Kameraleute, Tontechniker und die vier Regie-Teams, die unter anderem 360 Tonspuren zu synchronisieren hatten. Insgesamt sorgten vor und hinter den Kameras über 300 Personen für einen reibungslosen Ablauf.
Allerdings lagen die 347'000 Zuschauer deutlich unter dem Standard, der mit der «La Traviata»-Inszenierung am Zürcher HB gesetzt wurde.(bat, sda)
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