Simon Ammann gewinnt vierte Goldmedaille
Derzeit unschlagbar: der vierfache Olympiagold-Gewinner Simon Ammann. (Reuters)
Ausnahmetalent Simon Ammann
Simon Ammann hat Vreni Schneider als erfolgreichste Schweizer Olympionikin abgelöst: Er gewann auf der Grossschanze die Goldmedaille, nachdem er vor einer Woche bereits auf der Normalschanze am weitesten geflogen war. Damit hat Ammann - nach Doppelgold 2002 in Salt Lake City - insgeamt vier Olympia-Goldmedaillen geholt. Das hat kein Skispringer vor ihm jemals fertig gebracht.
Ammann schwebt auf einer Wolke
Er, der die Schweizer Olympia-Mission mit Gold in der allerersten Entscheidung der 21. Winterspiele perfekt lanciert hatte, sorgte nun nach einer Reihe von Enttäuschungen für das nächste Highlight. Ammann schwebt auf einer Wolke, sein olympischer Flugrausch wird wohl noch einige Tage nachwirken.
Manches erinnerte im Whistler Olympic Park an das erste Springen. Erneut setzte Ammann schon im Probedurchgang einen Pflasterstein auf seinem Weg zu Gold. Der 28-Jährige sprang trotz zwei Luken weniger Anlauf fünfeinhalb Meter weiter als alle anderen und bewog die Jury wieder dazu, den Anlauf um eine weitere Luke zu verkürzen.
144 Meter - nur knapp gestanden
Ammann hatte auch so noch Mühe, seinen ersten Wettkampfsprung auf 144 m zu stehen. Hätte er mit dem Gesäss den Schnee berührt, wäre das als Sturz gewertet worden. Wegen der «Notlandung» trat mmann nur mit 6,6 Punkten Reserve auf Adam Malysz zum Final an. Dabei war der Pole unter eher besseren Umständen gleich sieben Meter weniger weit gesprungen. «Zum Glück hatte Simon nicht die besten Bedingungen», entfuhr es Disziplinenchef Gary Furrer.
Am weitesten auch im 2. Durchgang
In der Tat waren die Windverhältnisse um einiges wechselhafter als vor Wochenfrist. Davon profitierte vor allem Matti Hautamäki, der nach einem Hüpfer im 2. Durchgang aber vom 3. Zwischen- in den 26. Schlussrang zurückfiel. Ammann dagegen stellte eine weitere Bestweite auf, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Mit seinem Satz auf 138 m konnte er den Vorsprung auf Malysz mehr als verdoppeln.
Ammann vor Malysz und Gregor Schlierenzauer: Genau so hatte sich das Podest schon nach dem Springen auf der Normalschanze präsentiert. Die glanzvolle Karriere des Polen wird unvollendet bleiben, dem erst 20-jährigen Schlierenzauer muss sich damit trösten, dass sich ihm weitere Olympia-Gelegenheiten bieten werden.
Österreichische Bindungsposse ohne Folgen
Von den vier Goldmedaillen, die Ammann an Olympischen Spielen nun gewonnen hat, ist diese wohl am höchsten einzustufen. Wie sich Ammann von der Bindungsposse nicht aus dem Konzept bringen liess, sondern ganz im Gegenteil aus der Situation ein Spiel zu machen schien, verdient allerhöchsten Respekt. Ammann tat, was ihm in den wichtigsten Momenten seiner Karriere immer gelang: Er schaute nur auf sich und verlor das goldene Ziel nie aus seinem Blick.
Die Frage, ob die Olympiasiege von Whistler wegen des neuen Bindungssystems von einem schalen Beigeschmack begleitet werden, ist schnell beantwortet. Nein! Das kleine, aber feine Schweizer Team hat den immer kleiner werdenden Innovationsspielraum im Materialsektor schlitzohrig genutzt.
Die perfekte Abstimmung
Dafür gebürt den Verantwortlichen, speziell auch Servicemann Gerhard Hofer, höchste Anerkennung. Dass sich ausgerechnet die Österreicher übertölpelt fühlen, entbehrt nicht der Ironie. Über Jahre fanden sie im Materialbereich jedes Schlupfloch und gaben in der Entwicklung das Tempo vor. Jetzt sind die Schweizer so weit, dass agieren statt reagieren.
Der gekrümmte Bindungsstab war bestimmt ein Vorteil, sonst hätte Ammann die Umstellung vor seiner Olympia-Hauptprobe in Klingenthal nicht gewagt. Wenn die Österreicher über fünf bis zehn Meter Weitengewinn spekulieren, beweisen sie vor allem fehlendes Augenmass.
Zum besten Simon Ammann aller Tage gehört, dass er rechtzeitig die perfekte Abstimmung gefunden hat. Das schmälert seine sportliche Leistung um kein Prozent.
Bester Skispringer aller Zeiten
Ammann darf man nun in einem Atemzug mit Matti Nykänen, dem grössten Skispringer aller Zeiten, nennen. Beide haben vier Olympiasiege eingeflogen, wobei Nykänen sein letztes Gold mit der Mannschaft gewann. Im Vergleich der olympischen Einzelerfolge schneidet Ammann besser ab. Nykänen holte 1984 Gold und Silber und vier Jahre später zweimal Gold.
Bester Schweizer Olympionike
Vreni Schneider, die Skikönigin aus Elm, gewann zwischen 1988 und 1994 dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Ausser Ammann und Schneider stand niemand aus der Schweiz mehr als zweimal zuoberst auf einem Olympia-Podest. (pet, si)
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