Psychokrieg um Ammanns Bindung
Die Bindung des Anstosses. (Keystone)
Gary Furrer: «Das geht unter Peinlichkeiten»
Vor dem Springen auf der Grossschanze vom Samstagabend ist um Simon Ammanns Bindung der Psychokrieg entbrannt. Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner drohte einen Protest an, falls der dreifache Olympiasieger keine Materialänderung vornimmt.
Österreich: Bindung nicht zugelassen
«Wir verlangen von der Schweizer Mannschaft, dass sie das modifizierte Bindungssystem zurückzieht. Sonst werden wir nach dem ersten Wertungsdurchgang Protest einlegen», sagte Pointner. Es gehe ihm um Sicherheit, Fairness und Chancengleichheit. Ammanns Bindung erhöhe die Unfallgefahr, es handle sich um ein technisches Hilfsmittel, das körperliche Schwächen überdecke, die Bindung sei nicht geprüft und nicht zugelassen.
«Nicht reglementswidrig»
Der Schweizer Disziplinenchef Gary Furrer reagierte wie schon am Vortag gelassen auf die Vorwürfe. Es handle sich lediglich um eine Justierung an Ammanns Bindung.
Bei Ammans Bindung ist das Zapfenrohr, das an der Ferse den Schuh mit dem Ski verbindet, neuerdings leicht gebogen statt gerade.
Jeder Springer verändere seine Bindung und passe sie den eigenen Bedürfnissen an, so Furrer weter. «Das ist nicht reglementswidrig.» Man denke nicht daran, die Bindung zu wechseln.
FIS-Experten: Bindung ist legal
Die Experten des internationalen Skiverbands (FIS) blasen ins gleiche Horn. Der Österreicher Sepp Gratzer, Materialkontrolleur der FIS: «Ich habe die Bindung gesehen. Für mich ist sie reglementskonform.»
Er könne einer Jury- Entscheidung zwar nicht vorgreifen, aber die Jury müsse sich an das Reglement halten. «Und ich finde im Reglement keinen Passus, der dagegen spricht, dass diese Bindung zugelassen wird.»
Jouko Törmänen, FIS-Vorsitzender im Skispringen, fügte gegenüber dem Schweizer Fernsehen hinzu: «Die Bindung ist kein neues Produkt. Ich habe keine Sicherheitsbedenken. Die Sache ist legal.»
Unsicherheit bleibt
Die Angelegenheit artet zum Psychokrieg aus, weil die Schweiz keine Möglichkeit besitzt, die Polemik aus der Welt zu schaffen. Auch wenn die Materialkontrolleure das Teil als reglementskonform einstufen, ist das kein Persilschein. Österreich darf nach dem 1. Durchgang Protest einlegen.
In diesem Fall tritt die Jury zusammen, um ein Urteil zu fällen. Eine minime Unsicherheit bleibt damit also bestehen. (luek, si)
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