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07.09.2010

«Der Schweizer Fussball ist fortschrittlicher als die Schweizer Politik»

Heute abend trifft die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in Basel im Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft auf England. In den englischen Online-Medien gibts im Vorfeld, neben viel Wirbel um Stürmer Wayne Rooney, auch einen Verlgeich zwischen dem Schweizer Fussball und der Schweizer Politik.

Der schweizerisch-englische Doppelbürger Scott Sutter wird gegen England auf dem Rasen stehen. Die Schweizer Nationalhymne könne er noch nicht recht singen, schreibt die englische Tageszeitung Daily Express. (key)

Die Schweiz habe in jüngerer Vergangenheit durchaus für Fussball-Schlagzeilen gesorgt, schreibt die Tageszeitung The Daily Telegraph und erinnert an den Weltmeistertitel der U17-Mannschaft.

Politisch jedoch, so der als eher konservativ geltende Telegraph, habe die Schweiz in den letzten Jahren einen Rechtsrutsch vollzogen und sei intoleranter geworden. Die rechte «Swiss People's Party», also die SVP, habe die Wahlen 2007 gewonnen und werbe mit offen rassistischen Plakaten.

«Die Schweiz hat eine Multikulti-Mannschaft»
Der Schweizer Fussball bewege sich in die entgegengesetzte Richtung, schreibt der Telegraph: Er widerspiegle die Völkervielfalt einer modernen Schweiz. Während die Politik reaktionärer werde, werde der Fussball fortschrittlicher.

Die talentiertesten Fussballer des Schweizer Teams, wie Derdiyok und Inler, kämen indessen aus genau jenen Ländern, die von der SVP «dämonisiert» würden, und der Sieg des ebenfalls multi-ethnischen U17-Teams sei exakt in denselben Monat gefallen wie das Ja zur Anti-Minarett-Initiative.

Die U17-Mannschaft stehe für eine neue Generation und sei hoffentlich ein gutes Vorbild für junge Immigranten in der Schweiz, schliesst der Telegraph. Und: Wenn die «Multikulti-Nationalmannschaft» erfolgreich sei, trage dies vielleicht dazu bei, die rassistische rechte Rhetorik in der Schweiz zu dämpfen.

«Die Schweiz kann England schlagen»
Der Schweizer Fussball als «Multikulti»-Phänomen ist auch Thema im Express: Der neue Schweizer Verteidiger Scott Sutter, ein schweizerisch-englischer Doppelbürger, erklärt im Interview mit der Tageszeitung: «80 Prozent von uns in der Schweizer Nationalmannschaft könnten wohl auch für ein anderes Land spielen. Aber das findet hier niemand komisch, und es wird auch nicht darüber diskutiert. Solange wir gewinnen, interessiert es die Leute nicht, ob wir Halb-Engländer, -Italiener, -Türken oder irgend etwas anderes sind.»

Sutter sei ausserdem zuversichtlich, mit dem Schweizer Team sein Geburtsland England schlagen zu können. «Das WM-Spiel gegen Spanien hat gezeigt, dass die Schweiz jeden schlagen kann - dies müssen wir im Kopf behalten, wenn wir gegen England spielen», sagt der Doppelbürger dem Express.

Wirbel um Stürmer Rooney
Ansonsten beschäftigt sich die englische Vorberichterstattung zum Spiel überwiegend mit Stürmerstar Wayne Rooney, der in den letzten Wochen mit seinen Sexaffären für Wirbel in der englischen Fussballpresse gesorgt hat.

Nationaltrainer Fabio Capello sorge sich um Rooneys Verfassung und ob er dem Spiel gegen die Schweiz gewachsen sei, heisst es etwa in der Sun oder auch im Guardian. Aufgestellt hat er Rooney dennoch. (sg)

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