Durchschlag im längsten Tunnel der Welt
Jubel und Tränen: Nach 17-jährigen Bohrarbeiten ist der Durchschlag des Gotthard-Basistunnels gelungen. (Keystone)
Das Jahrhundertwerk: Durchschlag am Gotthard
Der Durchschlag am Gotthard-Basistunnel ist vollbracht. Er erfolgte am Freitag um 14.17 Uhr und wurde auf beiden Seiten von hunderten Arbeitern, Experten und Journalisten verfolgt. Als der Bohrkopf der riesigen Tunnelbohrmaschine «Sissi» die letzten Gesteinsbrocken aus dem Weg fräste, brach Jubel aus.
Knapp eine halbe Stunde später reichten sich Mineure von beiden Seiten des Tunnels die Hand und tauschten eine Figur der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Tunnelbauer.
Die Durchschlagstelle befindet sich 27 Kilometer vom Nordportal im Kanton Uri und 30 Kilometer vom Südportal im Tessin entfernt. Noch am Donnerstag hatten dort, wo der Durchschlag erfolgte, die Arbeiter knöcheltief im Wasser gestanden. Offenbar hatte eine Wasserpumpe versagt, wie Techniker erläuterten. Der Schaden konnte aber weitgehend behoben werden.
Hunderte Gäste in 800 Metern Tiefe
Den historischen Moment verfolgten in 800 Metern Tiefe rund zweihundert geladene Gäste mit eigenen Augen - unter ihnen Noch-Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Für ihn ist der Anlass einer der letzten Höhepunkte seiner Amtszeit.
Leuenberger lobte in seiner Rede den Mut zum Tunnelbau. «Gestern wollten wir den Berg versetzen», sagte er. «Heute durchbohren wir ihn und schaffen den längsten Tunnel der Welt - zum Zeitpunkt, wie wir ihn planten, zu den Kosten, wie wir sie rechneten.»
Kein privates Unternehmen hätte dieses Risiko auf sich nehmen können. Nur eine politische Gemeinschaft sei dazu in der Lage. Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätten den Mut zu diesem Tunnel an der Urne bezeugt.
Dank an Zweifler, Kritiker und Mahner
«Der heutige Tag beweist, wie nachhaltig, wie konsequent, wie effizient unsere direkte Demokratie ist», so Leuenberger weiter. Wenn alle Betroffenen beteiligt, Kompromisse gesucht und gefunden, sich also auch Minderheiten in den Beschlüssen wieder erkennen, dann «kann die Demokratie Berge versetzen».
Leuenberger begrüsste im Tunnel auch die Zweifler, Kritiker und Mahner, ohne die die Kosten nicht minutiös berechnet und beaufsichtigt worden wären.
Auch im Ausland wurde der Tunneldurchschlag aufmerksam verfolgt. Hunderte Journalisten aus aller Welt berichten von vor Ort. In Luxemburg verfolgten die Verkehrsminister der EU den Durchschlag im Fernsehen.
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sprach in einer Live-Einschaltung in den Tunnel von einem besonders bedeutsamen Projekt. Seine Realisierung sei bewundernswert, die Anerkennung gegenüber der Schweiz hoch. «Schade, können wir nur via Satellitenschaltung beim Durchschlag dabei sein», bedauerte Kallas. Dass die EU keinen Vertreter zum Durchschlag nach Sedrun schickte, hatte in der Schweiz für enttäuschte Reaktionen gesorgt.
Eröffnung möglicherweise 2016
Der Gotthard-Basistunnel ist ein Werk der Superlative. Mit 57 Kilometern Länge ist er der längste Tunnel der Welt. Später sollen dort einmal 228 Kilometer Schiene sowie 190'000 Betonschwellen verlegt werden. Eröffnet werden könnte der Bahntunnel möglicherweise bereits Ende 2016. Das wäre ein Jahr früher als geplant. Dereinst werden täglich 300 Personen- und Güterzüge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h unter den Alpen hindurch brausen. Die Reise von Zürich nach Mailand dauert damit noch zwei Stunden und vierzig Minuten.
Schwindelerregend sind auch die Kosten des Baus. Die Prognosen für den Gotthard-Basistunnel liegen heute bei 9,8 Milliarden Franken, für die gesamte Gotthard-Achse sogar bei 12,2 Milliarden Franken - knapp 5 Milliarden über dem ursprünglich veranschlagten Preis. (ank, sda/dpa)
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